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  15.07. bis 16.07.2014 - [CZ][SK] Unterwegs mit dem Excelsior - Teil 1  



In den Jahren 1988 und 1990 hatten wir unsere Sommerurlaube im heute slowakischen Piešt‘any verbracht. Die An-/Abreise erfolgte natürlich per Bahn. Zwischen Dresden und Bratislava hatten wir dabei jeweils den D/Ex/R 476/477 „Istropolitan“ (Reihung von 1990) genutzt. Im „Istropolitan“ sind wir u.a. auch im Schlafwagen unterwegs gewesen. Diese Reisen waren für mich als 8 bzw. 10-jähriger sehr schöne Erlebnisse, welche bis heute in meinen Erinnerungen hängengeblieben sind.

Nachdem wir im September 2013 nach sehr vielen Jahren wieder einmal mit dem Zug in Tschechien unterwegs waren und großes Gefallen daran gefunden hatten, wollten wir rund ein Vierteljahrhundert nach unseren Urlauben nun zum einen die Strecke nach Piešt‘any auch einmal bei Tag fahren, aber hauptsächlich auch noch einmal mit einem Görlitzer Schlafwagen und auch dem Excelsior unterwegs sein, bevor dieser zum 13.12.2014 eingestellt wurde. Also wurde eine kleine Rundreise geplant und Vater und Sohn gingen für zwei Tage auf Rundfahrt durch Tschechien und die Slowakei.

15.07.2014

Wir starteten 06:38 Uhr in Chemnitz-Kinderwaldstätte mit der RB 17153 nach Chemnitz Hbf. Von da fuhren wir 07:02 Uhr mit RE 3439 weiter nach Dresden Hbf,
wo wir 08:01 Uhr ankamen. In Dresden stand schon ČD 371 015 für den EC 171 „Hungaria“ (Berlin Hbf (tief) – Budapest-Keleti pu.) bereit, welchen sie bis
Praha hl.n. ziehen sollten. Wir wollten den Zug für 588 Kilometer bis Bratislava hl.st. nutzen.


ČD 371 015 „Václav“ wartete in Dresden Hbf auf den EC 171.

Am Vortag hatte ich auf der Webcam in Chocen geschaut und mich gefreut, als die Vorleistung EC 170 in Richtung Berlin fuhr, dass unsere reservierten Plätze im Wagen 257 in Richtung Elbtal waren. In Dresden fiel uns ein abgestellter MÁV Bvmz auf und als dann bei der Zugeinfahrt die Durchsage kam, dass Wagen 255 heute fehlt wurde ich etwas unruhig. Es kam wie es kommen musste: Der abgestellte Wagen muss beim EC 170 am Vortag in Dresden ausgesetzt worden sein. Dadurch wurden die Nummern für die Rückfahrt neu sortiert und aus Wagen 256 wurde nun unsere Wagen 257. Dieser war zum Glück nicht wie planmäßig ein Großraumwagen Bpmz sondern ein Abteilwagen Bvmz (H-START 61 55 21-91 331-4), aber unsere reservierten Plätze waren nun leider zum Elbhang.

Im Abteil saßen bereits drei Jugendliche, die auf dem Weg nach Budapest und dann weiter mit dem Nachtzug nach Rumänien waren.
Pünktlich 09:06 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Nun hieß es zumindest für das Elbtal zwischen Pirna und Ústí nad Labem im Gang Platz zu nehmen.




Sandsteinfelsen bei Kurort Rathen.


Elbfähre in Königstein.


In Děčín war Zugkreuzung mit EC 176. Bis hierher hatten wir ein paar Minuten Verspätung bekommen.


Einfahrt in Praha hl.n. mit LeoExpress und ČD 362 045.

In Prag erfolgte Fahrtrichtungs- und Lokwechsel. Es übernahm 350 001 der ŽSSK den Zug setze noch einen ČD Bbdgmee236 mit an.

Hinter Kolín meldete sich der Magen und wir kämpften uns durch die vollen Gänge in den Speisewagen (H-START 61 55 88-91 103-7). Gegenüber meinem
letzten Besuch bei Utasellátó ein Jahr zuvor gab es eine neue, kleinere Speisekarte und es war nun möglich per Karte zu bezahlen. Auch waren erfreulicherweise
die ganzen wild geklebten Hinweisschilder und die Kunstblumen verschwunden. Leider wurden im Juni 2014 die ungarischen Speisewagen von frisch gekocht auf Fertiggerichte umgestellt. Das Essen war qualitativ überhaupt nicht gut und kein Vergleich zu davor.


Rindergulasch mit Nockerln und Putensteak mit Reis und Spinat.
Immer dabei die Streckennetzkarte der ČSD von 1989 :-).



Abgestellte Loks der BR 730 in Břeclav.

Hinter Břeclav überquerten wir die Morava und damit die Grenze von Tschechien zur Slowakei.



Mit 5 Minuten Verspätung erreichten wir 15:55 Uhr Bratislava hl.st.. Bis Bratislava hatten wir ein Europa-Spezial der DB für 39 Euro pro Person genutzt.


ŽSSK 350 001 mit unserem EC 171, daneben ČD 242 261 mit R 815 „Domica“ (Bratislava – Zvolen – Košice).

In Bratislava hatten wir zwei Stunden Aufenthalt und kauften als Erstes die noch fehlenden Fahrkarten für die weitere Reise. Im Internet hatte ich bereits
die Schlafwagenreservierungen für ein Double im R 440 für zusammen 1008 Kč (37,09 €) sowie eine Fahrkarte für mich von Třinec bis Cheb für 780 Kč
(28,70 €) gekauft. Jetzt benötigte ich noch eine Fahrkarte Bratislava – Žilina – Třinec für 15,20 Euro. Durch das Stückeln meiner Fahrkarte in Třinec
sparte ich immerhin knapp 11 Euro. Außerdem holten wir für meinen Vater noch eine FIP-Fahrkarte Bratislava – Žilina – Cheb für 27 Euro.

Nachdem der Fahrkartenkauf erledigt war, nutzen wir die verbleibende Zeit und liefen ein Stück nach Bratislava rein.


Námestie slobody (Platz der Freiheit). im Hintergrund der Fernsehturm, in welchem ich meinen 10. Geburtstag gefeiert habe.


Gebäude des slowakischen Hörfunks.

Zurück am Bahnhof warteten wir auf die Bereitstellung unseres nächsten Zuges, während ŽSSK 240 068 mit Os 2031 (Kúty – Bratislava hl.st.) vorbei kam.



Wir wollten weiter nach Žilina fahren und 15 Minuten vor der Abfahrt wurde der R 613 „Ružín“ (Bratislava hl.st. – Poprad-Tatry) dafür bereitgestellt.


ŽSSK 361 102 mit R 613 „ Ružín “ (Bratislava – Poprad-Tatry), links stand ŽSSK 263 009.

Bei der Heimreise 1988 und 1990 nutzten wir von Piešt‘any nach Bratislava den Ex 100 „Tatran“ (Košice – Bratislava hl.st.). Dieser bestand damals aus neuen Bautzener Amee und Bmee (Reihung von 1990). Ich war als Kind fasziniert von den Schwenkschiebetüren, kannte ich solche Türen bei der DR doch noch nicht.
Ein Teil der Wagen war bei der ŽSSK modernisiert mit der Bezeichnung Bmeer auch weiterhin im Einsatz. Schnell war klar, wo im R 613 ein Platz gefunden
werden musste. Im Wagen 8 fanden wir ein schönes Plätzchen und hatten ab Trnava das Abteil für uns allein.

Gegenüber der planmäßigen Wagenreihung war im Zugverband statt eines WRRmeer als Speisewagen ein ARmeer (SK-ŽSSK 50 56 85-30 001-2) eingereiht.
Ein Abendessen, im mehr oder weniger Altbaufahrzeug am Übersetzfenster als perfekte Einstimmung auf den Excelsior, stand in Aussicht.


SK-ŽSSK ARmee 50 56 85-30 001-2 in Bratislava hl.st..

Um 17:58 Uhr setzte sich der Zug mit drei Minuten Verspätung in Bewegung. Der von uns auserwählte Bmeer (SK-ŽSSK 61 56 21-70 074-4) wurde 2009
modernisiert und war ursprünglich zu seiner Indienststellung 1986/87 ein erstklassiger Amee. Auf den bequemen Sitzen ließ es sich angenehm reisen.




Auch nach der Modernisierung konnte der Wagen seine Herkunft nicht verstecken.

Bei der Fahrkartenkontrolle wurde nicht abgestempelt, sondern der Zugbegleiter schrieb mit Kugelschreiber einfach „R613 15.07.2014“ auf die Rückseite.

Es ging im Tal der Váh, entlang der Westkarpaten, nach Žilina. Die tiefstehende Sonne und der Blick über das weite Tal auf den Gebirgszug
ließen die Erinnerungen an die Urlaube wieder hochkommen. Mit dem „Tatran“ waren wir immer in der Gegenrichtung in den Sonnenuntergang gefahren.





Nach knapp einer Stunde Fahrt und 81 Kilometern hatten wir Piešt‘any erreicht. Es war schon komisch, nach so langer Zeit wieder hier zu sein.
Der Bahnhof sah aber nach der Modernisierung ganz anders aus als damals. Zweimal endete unsere Reise hier, heute ging es aber weiter.






Skulptur am Bahnsteig in Piešt’any.

Nun wurde es langsam Zeit für das Abendessen. Von Wagen 8 war der Weg zum Speisewagen ganz schön weit. Wir hatten Glück und bekamen sogar
einen Platz an einem der drei Tische. Wir waren überrascht, was dieser kleine Speisewagen für eine riesen Auswahl in der Speisekarte anzubieten hatte.


Schweinegulasch mit Kartoffelecken sowie Gemüse mit Ei und Kartoffeln, dazu 2 Getränke für zusammen 11,60 Euro.
Das Essen war im Gegensatz zum ungarischen Speisewagen ausgezeichnet.


Nach insgesamt 203 Kilometern von Bratislava erreichten wir mit 10 Minuten Verspätung 20:52 Uhr Žilina und stiegen aus.


R 613 verließ Žilina um 20:54 Uhr in Richtung Poprad-Tatry.

Nach einer kurzen Runde durch den Bahnhof verbrachten wir den Übergang in Žilina auf dem Bahnsteig und genossen die herrliche Abendstimmung.
Am Bahnsteig kam Zr 1852 mit dem Kursschlafwagen von Zvolen nach Prag eingefahren und ließ schon einmal die ersten Ideen für eine nächste Tour entstehen.


Noch wenige Minuten, dann sollte der R 440 „Excelsior“ einfahren.

Pünktlich 21:15 Uhr kam der R 440 „Excelsior“ mit zwei Loks der Baureihe 162 eingefahren. Wir hatten im Wagen 375, dem Kursschlafwagen über Plzeň,
ein Double im Abteil 5 reserviert. Mit uns stiegen noch weitere 6 Personen in Žilina zu. Der Schlafwagenbetreuer war etwas verwundert über meine Fahrkartenstückelung und schaute sich alles dreimal an. Dann hatte er es aber verstanden und brachte uns zu unserem Abteil.

Mittlerweile hatte ČD 380 003 an den Zug gesetzt und sollte den Zug bis Bohumín ziehen. Pünktlich um 21:32 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Draußen war
es mittlerweile dunkel geworden und durch das geöffnete Fenster roch es nach einem frischen Sommerregen. Obwohl der WLAB822 (CZ-ČD 51 54 70-48 198-2, Görlitz 1985) stolze 29 Jahre weitestgehend im Ursprungszustand auf dem Buckel hatte, war alles Tip-Top in Ordnung. Es war eine total heimeliche Atmosphäre,
wir hatten uns gleich richtig wohl und in der Zeit um 25 Jahre zurückversetzt gefühlt.



Ich hatte etwas Probleme mit dem Einschlafen, aber hinter Třinec döse ich das erste Mal weg, wurde aber durch den Lokwechsel in Bohumín nochmals geweckt.
Ab Bohumín übernahm ČD 151 014 bis Praha den Zug. Das nächste Mal wurde ich in Přerov wach und schaute aus dem Fenster, als die Lok um den Zug setzte. Anschließend raffte mich die Müdigkeit dahin...

Weiter geht es im Teil 2.



   
© 2024, Stefan Fritzsch