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  21.06. - 24.06.2017 - [CZ][SK] Sommer mit Najbrt und Blonski - Teil 2  



22.06.2017

Wir schliefen bis 7 Uhr, frühstückten im Hotel und machten uns kurz nach 8 Uhr auf zum Bahnhof. Der Himmel war blau, nur ein paar Schleierwolken waren
unterwegs und die Temperatur hatte am Morgen die 20 °C schon locker überschritten.

Unsere Fahrt sollte weiter auf der zum Fahrplanwechsel 2016/17 eingeführten Linenbezeichnung R 11 (Plzeň – Brno) gehen. Erster Zug des Tages war der R 653 “Junák“, welcher aus Strakonice kam und weiter nach Brno hl.n. fahren sollte. Wir konnten den Zug aber nur bis Náméšť nad Oslavou nutzen, ab da bis Brno gab es Schienenersatzverkehr wegen Bauarbeiten. Eigentlich sollten die Bauarbeiten bis 13.06.2017 beendet sein, wurden aber Anfang Juni bis 30.06.2017 verlängert.


Morgens am Bahnsteig 1 in Jihlava.

In Jihlava befindet sich Bahnsteig 1 wie üblich vor dem Empfangsgebäude. Aber Bahnsteig 2 und 3 befinden sich 200 m nördlich davon in gleicher Flucht zum Selbigen. Für unseren Zug war hier Fahrtrichtungswechsel und es wurde von Elektro- auf Dieseltraktion gewechselt. ČD 242 213 brachte den Zug ab České Budějovice hierher. Ab Jihlava übernahm die “Blitzbrille“ ČD 754 019 die Fuhre.


Unser Zug fuhr vom Bahnsteig 2 ab. Dieser befindet sich nicht vor, sondern nördlich des Empfangsgebäudes.


Die “Blitzbrille“ ČD 754 019 kam aus dem Depot und war bereit für ihre nächste Aufgabe.

Der Zug war pünktlich und bestand gegenüber der geplanten Wagenreihung komplett aus Bautzener UIC-Y Wagen. Im modernisierten AB349
(CZ-ČD 51 54 39-41 041-3, Bautzen 1984) fanden wir ein freies Abteil. Mit 5 Minuten Verspätung starteten wir 08:45 Uhr in den zweiten Tag.


Ein letzter Blick auf Jihlava.


Zum Teil zierten noch alte Freileitungsmasten die Strecke.

Die Fahrt ging durch eine wunderschöne Landschaft. Wir genossen es, diese am offenen Fenster an uns vorbei ziehen zu lassen. In Třebíč sahen wir die
Basilika St. Prokop in Natur, nachdem sie letztes Jahr noch die Silhouette unseres Schlafwagen schmückte. Die Basilika ist der einzig erhaltene Bau des im
12. Jahrhundert gegründeten Klosters Mariä Himmelfahrt. Sie wurde 2003 zusammen mit dem jüdischen Viertel und dem jüdischen Friedhof in die UNESCO
Liste des Weltkultur- und Naturerbes der Menschheit eingetragen.


Basilika St. Prokop in Třebíč.


Vladislav



Pünktlich erreichten wir 09:46 Uhr Náméšť nad Oslavou und vor dem Empfangsgebäude warteten schon die Autobusse für den Schienenersatzverkehr. Die
55-minütige Fahrt über 40 km nach Brno startete auch sofort und führte mehr oder weniger parallel zur Bahnstrecke. An dieser wurde überall fleißig gewerkelt. Angekommen in Brno hatten wir noch ein halbe Stunde bis zur Abfahrt des nächsten Zuges Zeit. Wir füllten unsere Wasservorräte auf, denn die Temperatur kratze schon an der 30 °C-Marke. Da die Strecke zwischen Brno hl.n. und Brno-Zidenice wegen Bauarbeiten gesperrt war, herrschte wenig Verkehr auf dem Bahnhof.


ČD 242 261 in Brno hl.n..


Blick auf das nördliche Gleisvorfeld mit dem Sperrscheiben im Streckengleis.

Weiter fuhren wir dann 11:18 Uhr mit dem R 909 in Richtung Šumperk. Diesen nutzten wir für die nächsten 100 km bis Olomouc hl.n.. ČD 362 158 zog
den Zug, bestehend aus Abteilwagen der Gattung Bd264 und AB349 und rekonstruierten Großraumwagen der Gattung Bdtee276. Im ersten Wagen
hinter der Lok, einem Bd264 (CZ-ČD 50 54 29-41 496-2. Bautzen 1979), bezogen wir wieder ein Abteil, welches wir auf der Fahrt für uns hatten.
Die Sitzpolster des Wagen waren im aktuellen Design, der Rest aber noch ursprünglich, inkl. brauner ČD-Vorhänge.


ČD 362 158 mit dem R 909 nach Šumperk in Brno hl.n..


Braune Vorhänge aber schon Sitzpolster im aktuellen Najbrt-Design.


Luleč mit dem Kostel svatého Martina


In Vyškov na Moravě war Zugkreuzung mit ČD 362 123 und R 910 nach Brno hl.n..


In Nezamyslice stand ČD 163 081 mit Os 3822 nach Olomouc hl.n.. Vor dem Bahnhof ist die Systemtrennstelle 25 kV AC / 3 kV DC.


Zugkreuzung in Blatec mit ČD 163 095 und Os 3721 nach Prostějov hl.n..

Auf die Minute pünktlich erreichten wir 12:52 Uhr Olomouc hl.n. und hatten hier eine Stunde Aufenthalt, bevor wir mit dem Ex 127 “Becva“ über Horní Lideč in
die Slowakei fahren wollten. Unsere Fahrkarte hatte bei der Zugbegleiterin für etwas Verwirrung gesorgt. Die Fahrkarte von Jihlava bis in die Slowakei hatte ich
Online über die ČD direkt mit der Angabe über Brno und Olomouc gekauft. Auf der Fahrkarte war dann aber mit VIA<1154>BRNO*(KYJOV/PREROV)*HOR.LIDEC GR<1156> eine südlichere Route angegeben, gleichzeitig stand aber unter Fahrplan unsere gewählte Verbindung über Olomouc mit dem R 909.

Wir ließen uns auf einer schattigen Bank auf dem Bahnsteig nieder. Hier ließ es sich aushalten. Es wehte ein angenehmes Lüftchen und in einer Stunde wurde
uns reichlich abwechslungsreicher Zugverkehr geboten, dass es nicht langweilig wurde.


PKPIC EP09-017 mit Ex 115 ”Cracovia”, Leo Express Stadler Flirt als LE 1357, ČD 151 014 mit Rx 889,
ČD 680 005 als SC 507, ČD 460 079 als Os 3333 und ŽSSK 350 007 mit Ex 127 “Becva“.


Mit 3 Minuten Verspätung fuhr 13:52 Uhr ŽSSK 350 007 mit dem Ex 127 “Becva“ aus Praha hl.n. nach Žilina in Olomouc ein.

Unser Magen knurrte und so wurde direkt Wagen 371, ein WRmee816 (CZ-ČD 61 54 88-81 012-3), aufgesucht. Der Speisewagen war leer, die drei JLV
Mitarbeiter saßen gelangweilt da. Dies sollte sich aber ändern, da wir nicht die Einzigsten mit Hunger waren. In Hranice na Moravě verließen dann zwei Mitarbeiter
den Zug, so dass der Verbliebene ganz schön zu rotieren hatte. Wir bestellten Schweineschnitzel mit Bratkartoffeln, eines der letzten Gerichte, welches noch
frisch zubereitet wurde. Im WRmee816 ist die Küche durch eine große Glasscheibe abgetrennt und man konnte sehr schön zuschauen wie geklopft, paniert und
gebraten wurde. Nach 30 Minuten war unser Essen fertig.


Schweineschnitzel mit Bratkartoffeln für 5,80 Euro.

Bis Horní Lideč leerte sich der Speisewagen wieder. Die Fahrt führte durch die Westkarpaten über die Grenze in die Slowakei.




Lysá pod Makytou

Mit 5 Minuten Verspätung erreichten wir 15:53 Uhr nach 142 Kilometern Púchov und stiegen aus. Wir wechselten den Bahnsteig, denn 16:09 Uhr sollte unsere
Reise direkt weitergehen. Es lagen noch 78 Kilometer bis zum Tagesziel Piešťany vor uns. Um 16:12 Uhr kam ŽSSK 350 015 mit R 608 “Spišan“ von Košice nach Bratislava hl.st. eingefahren. Im Wagen 9, einem Bmeer (SK-ŽSSK 61 56 21-70 076-9) fanden wir in dem gut besetzten Zug für die 55-minütige Fahrt ein Plätzchen. In Trenčín fuhren wir über die neue Brücke. Diese war einen Monat vorher, am 23.05.2017, zunächst mit einem Gleis nach einigen Verzögerungen in Betrieb gegangen. Auf der alten Brücke wurden gerade die Gleise abgebaut.


Najbrt und Blonski auf einem Bild. ŽSSK 350 007 mit für Ex 127 “Becva“ in Púchov.


Abfahrt für Ex 127 “Becva“ für seine letzte Etappe nach Žilina.


ŽSSK 350 015 erreichte mit R608 “Spišn“ Púchov. Im Zug ist ein WRmee816 der ČD eingereiht.

Mit 4 Minuten Verspätung hielt der Zug 17:09 Uhr in Piešťany. Von Jihlava bis hierher hatten wir ein First-Minute-Europe der ČD für 190 Kč (7,30 €) pro Person genutzt. Ein unschlagbarer Preis für 421 km. Die Temperatur hatte mittlerweile den Höchstwert der Reise mit 33 °C erreicht.



In den Jahren 1988 und 1990 hatten wir in Piešťany unseren Sommerurlaub verbracht. Nachdem wir bei unserer ersten Rundfahrt 2014 durch Piešťany noch durchgefahren waren, wollten wir uns dieses Jahr etwas umschauen. Unsere Rucksäcke gaben wir am Fahrkartenschalter ab (1,50 Euro pro Rucksack) und begaben uns vor das Empfangsgebäude zur Bushaltestelle. Mit einem Bus der Linie 11, betrieben von DB Arriva, fuhren wir 17:30 Uhr auf die Kurinsel.

Piešťany ist ein bekanntes Heilbad. Es gehörte bereits vor dem Ersten Weltkrieg zu den führenden Rheuma-Heilbädern Europas. Der Ort verfügt über
70 °C warme, schwefelige Thermalquellen. Der warme Waagschlamm wird für diverse Anwendungen gegen Gelenkschmerzen eingesetzt. Während sich
am rechten Waagufer zahlreiche Geschäfte, Restaurants sowie der weitläufige Stadtpark befinden, liegt der Kurort mit den Kureinrichtungen und den
Thermalquellen auf der linken Seite des Flusses auf der Kurinsel. Beide Teile werden mit der Kolonnadenbrücke verbunden, wo das Wahrzeichen
und Wappen der Stadt zu sehen ist: Der Mann mit gebrochener Krücke.


Napoleon-Bad


Irma-Bad


Die Kolonnadenbrücke mit dem Wahrzeichen der Stadt: Der Mann mit gebrochener Krücke.

Von der Kurinsel liefen wir langsam zurück zum Bahnhof. Auch wenn die Sonne angenehm tief stand, war es immer noch sehr warm. Um kurz nach 20 Uhr hatten
wir den Bahnhof erreicht und holten unsere Rucksäcke beim Fahrkarteschalter ab. Nachdem wir die Rücksäcke erhalten hatten, wollten wir noch eine fehlende Fahrkarte kaufen. Da hielt uns die Frau an der Fahrkartenausgabe, die uns gerade die Rucksäcke gegeben hatte, ein Schild hoch, dass sie jetzt von 20:10 Uhr
bis 20:25 Uhr Pause hat. Wir sollten bitte später wieder kommen. Da unser Zug erst 20:54 Uhr fuhr, hatten wir keine Eile und setzten uns auf den Bahnsteig. Erinnerungen an die Urlaube wurden wach, als wir zur Abreise zur gleichen Uhrzeit hier saßen und auf den Ex 100 “Tatran“ von Košice nach Bratislava warteten.


Um 20:15 Uhr kam DB Arriva 845/945 101 und 845/945 103 als AEx 1043 von Praha hl.n. nach Nitra vorbei.

Die Nacht wollten wir im Langschläfer-Kurswagen nach Košice verbringen. Bei den günstigen Preisen in der Slowakei gönnten wir uns zwei Single-Abteile. Ich hatte Online bereits ein Slovak Express für 39 Euro und eine Reservierung für 25 Euro gekauft. Jetzt fehlte noch eine FIP-Fahrkarte 1. Klasse für 10,25 Euro für meinen Vater. Ich machte mich also nochmal auf dem Weg zum Fahrkartenschalter. Die Frau am Schalterschaute mich etwas ungläubig an und meinte, dass heute Abend kein Zug mehr nach Košice fährt. Ich entgegnete ihr, dass ich eine Reservierung für den Schlafwagen hätte. Darauf war sie der Meinung, dass jetzt kein Schlafwagen fährt. Ich zeigte ihr die Reservierung und sie schaute sie etwas verwirrt an, stellte aber fest, dass es tatsächlich einen Schlafwagen gibt. Ich bekam mein Ticket.

Die Sonne war gerade untergangen, als ŽSSK 350 002 pünktlich 20:52 Uhr mit dem RR 717 “Dubeň“ nach Žilina einfuhr. Der Kurswagen lief hinter der Lok und so konnten wir gleich sehen, dass anstatt des laut www.vagonweb.cz planmäßigen WLABmee ein alter WLAB im Zug hing. Meine Stimmung war zweigeteilt: Zum einen freute ich mich über den alten Görlitzer, hätte mir aber bei den Außentemperaturen gern eine Klimatisierung gewünscht. Wir brachten unsere Rucksäcke ins Abteil, machten die Fenster auf und uns auf den Weg in den Speisewagen. Wagon Slovakia Košice hatte Speisewagen der ČD angemietet. So war im Zug ein WRmee816 (CZ-ČD 61 54 88-81 015-6) eingereiht. Der Speisewagen war gut besetzt. Wir bestellten Omelett und Penne mit Hühnerfleisch. Das Essen schmeckte sehr gut. Im Gegensatz zur JLV wurden bei Wagon Slovakia Košice mehr, so auch unsere Speisen, frisch zubereitet.


Penne mit Hühnerfleisch, Käsesauce und Parmesan für 5,90 Euro.

Anschließend galt es wieder den langen Rückweg durch 9 Reisezugwagen in den Schlafwagen anzutreten. Speise- und Schlafwagen in einem planmäßigen, täglichen Zug? Das gibt es nicht mehr sehr oft in Mitteleuropa.

Das Schlafwagenabteil war mittlerweile etwas abgekühlt und es ließ sich aushalten. Wir erreichten 22:33 Uhr Žilina 8 Minuten vor Plan. Wir wurden vom Zug abgezogen und auf einem Stumpfgleis am östlichen Bahnsteigende abgestellt. Planmäßig sollten wir bis 4:31 Uhr jetzt hier stehen und in Ruhe schlafen können.


Dobrú noc

Weiter geht es im Teil 3.



   
© 2024, Stefan Fritzsch