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  29.09.2017 - [CZ] Abschied vom Übersetzfenster an der Ohře  



Mit der Veröffentlichung der ersten Fahrplanentwürfe für 2018 in Tschechien im Sommer 2017 wurde ersichtlich, dass es auf der Linie Cheb – Ústí nad Labem – Praha zu Veränderungen kommen sollte. Die Züge der Linie R5 wurden als Rx, Rychlík vyšší kvality (Schnellzug höherer Qualität), angegeben. Eine Veränderung
im eingesetzten Wagenpark war zu erwarten. Mit dem Auftauchen des Wagenreihungsplans für 2018 wurde es Gewissheit: Die Bautzener UIC-Y Wagen mit Übersetzfenster verschwanden planmäßig auf dieser Linie. Zum Einsatz sollten modernisierte Wagen der Gattung ABmz346, Bbdgmee236 und Bpee237 kommen. Großraum statt Abteil und Klimaanlage statt Frischluftzufuhr.

Ich wollte noch einmal die Strecke von Cheb bis Ústí nad Labem am offenen Fenster genießen, es fehlte nur noch ein schöner Herbsttag. Der Wetterbericht vermeldete für den 29.09.2017 blauen Himmel, Sonnenschein und Temperaturen bis 21 Grad. Also hieß es: „Nix wie los!“. Zusammen mit meinem Vater
startete unsere kleine Rundfahrt 08:55 Uhr im Chemnitzer Hauptbahnhof. Mit dem RE 26968 der Mitteldeutschen Regiobahn fuhren wir bis Plauen (Vogtl) ob. Bf.
Wir pokerten etwas und nutzen direkt unser Sachsen-Böhmen-Ticket für zwei Personen für 32 €, welches unter der Woche eigentlich erst ab 9 Uhr gilt.
Da wir aber erst nach 9 Uhr kontrolliert wurden, war es dem Kundenbetreuer wohl egal.

Plauen erreichten wir pünktlich 09:59 Uhr. Mit der Vogtlandbahn wollten wir eine halbe Stunde später weiter nach Cheb fahren. VBG 20973 kam mit 14 Minuten Verspätung aus Zwickau Zentrum eingefahren. Wir nahmen im Stadler RS1 Platz und setzen unsere Reise 10:44 Uhr fort. Die Fahrt führte entlang der Weißen
Elster durch das Vogtland. Die Verspätung blieb konstant und so erreichten wir 12:06 Uhr Cheb.


In Cheb fiel unser Blick direkt auf ČD 362 132 mit dem R 611 “Karlex“ Cheb – Ústí nad Labem – Praha.

Angekommen in Cheb stand am 3. Bahnsteig schon ČD 362 132 mit dem R 611 “Karlex“ nach Praha bereit. Der Zug bestand nicht mehr komplett
aus Bautzener UIC-Y Wagen. Neben dem Mehrzweckwagen Bbdgmee236 war auch ein Großraumwagen der Gattung Bpee237 eingereiht.
Diese verkehren seit dem kleinen Fahrplanwechsel am 11.06.2017 planmäßig in den Zügen der Linie R5 als Wagen 368. Ein A149 und zwei B249
komplettierten den Zug, welcher Cheb planmäßig 12:27 Uhr in Richtung Praha verlassen sollte.


Am 2. Bahnsteig stand ČD 362 120 mit dem Rx 761 “Vyšehrad“ Cheb – Plzeň – Praha.



Wir begaben uns zum Bahnsteig und fanden im Wagen 367, einem B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 675-9, Bautzen 1982), ein freies Abteil. Dieses sollten wir bis
Ústí nad Labem für uns haben. Der Wagen war soweit noch ursprünglich, lediglich die Sitze waren mit neuem Polster überzogen. Pünktlich setzte sich der Zug
in Bewegung. Es waren viele Ausflügler unterwegs, denn dieser Freitag war in Tschechien ein Brückentag. Am Tag vorher wurde zum 99 Mal die Entstehung
eines selbstständigen tschechoslowakischen Staates gefeiert.


Unser Abteil Nr. 5 im B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 675-9).


ČDC 363 047 mit einem Güterzug in Kynšperk nad Ohří.


Das Empfangsgebäude von Dasnice.


In Sokolov waren RegioSprinter von Gw Train Regio für den bevorstehenden Einsatz im Böhmerwald abgestellt.

Zwischen Chodov und Karlovy Vary wurde kräftig gebaut, der Bahnhof von Chodov war schon komplett umgestaltet. Es stand zwischen beiden Stationen
nur ein Streckengleis zur Verfügung und so warteten wir in Novō Sedlo u Lokte den leicht verspäteten Gegenzug ab.


Zugkreuzung mit ČD 362 077 und R 612 “Svatava“ nach Cheb in Novō Sedlo u Lokte.


Der neu gestaltete Bahnhof in Chodov.


Es wurde u.a. an der Sicherungstecknik gearbeitet.


Großbaustelle Karlovy Vary mit dem neuen Empfangsgebäude und ČD 844 016.

Zwischen Vojkovice nad Ohří und Klášterec nad Ohří verläuft die Strecke unmittelbar am Fluß Ohře entlang. Die wenigen Schleierwolken hatten sich mittlerweile aufgelöst, die Sonne schien und die Bäume waren schon bunt gefärbt.




Das Empfangsgebäude von Stráž nad Ohří.




ČD 810 459 als Os 17613 nach Kadaň in Klášterec nad Ohří.


Ausfahrt in Chomutov. Links das Streckengleis nach Vejprty.


Ankunft in Most mit dem Blick auf die Burg Hněvín.


ČD 362 108 mit dem werktäglichen Sp 1694 von Ústí nad Labem nach Cheb bei der Ankunft in Most.


SÚD 742 201 in Teplice v Čechách.




Blick auf den Erzgebirgskamm.


ČD 150 202 stand neben dem Lokschuppen in Ústí nad Labem bereit.

Mit nur 1 Minute Verspätung erreichten wir 15:10 Uhr Ústí nad Labem hl.n. nach 182 Kilometern und 2:43 h Fahrtzeit. Der Zug machte hier Kopf und fuhr
weiter nach Praha hl.n.. Unser Lokführer hatte einen rasanten Fahrstil und legte immer eine nicht gerade materialschonende Bremsung hin. So roch es in
jedem Bahnhof ordentlich nach Bremsstaub. Ich habe die Fahrt fast vollständig am offenen Fenster gestanden. Der Sonnenschein, die angenehme
Temperatur und die bunte Laubfärbung machten die Fahrt über die abwechslungsreiche Strecke zum Erlebnis.

Wir hatten etwas mehr als eine Stunde Aufenthalt und nutzten die Zeit für einen Abstecher auf den Větruše. Vom Einkaufscenter neben den Bahnhof fuhren
wir mit der Seilbahn für 18 Kč (0,70 €) pro Person auf den Berg. Die Seilbahn verkehrte alle 15 Minuten. Oben angekommen hatten wir einen herrlichen Blick
über die Stadt, die Bahnanlagen und das Elbtal.


ČD 150 202 übernahm unseren R 611 “Karlex“ in Ústí nad Labem.


Blick auf Ústí nad Labem.


ČD 371 015 mit dem EC 172 “Hungaria“ von Budapest nach Hamburg.

Zu Fuß machten wir uns auf den Rückweg und benötigten bis zum Bahnhof keine 15 Minuten. Wir setzten unsere Rundfahrt 16:16 Uhr mit dem R 684 “Petr Ginz“
von Praha nach Děčín fort. Während die Züge auf dieser Linie am Wochenende aus CityElefanten der Baureihe 471 gebildet wurden, bestanden sie unter
der Woche komplett aus Bautzener UIC-Y Wagen der Gattung B249, BDs449 und A149. Pünktlich kam ČD 150 203 mit ihrem 7-Wagen Zug eingefahren.
Wir suchten uns für die kurze Fahrt bis Děčín hl.n. in einem B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 925-8, Bautzen 1985) ein Fenster im Gang zur Elbseite.


Einfahrt von ČD 150 203 mit dem R 684 “Petr Ginz“ in Ústí nad Labem hl.n..


Blick auf das Elbtal.


Der R 684 “Petr Ginz“ bestand komplett aus Bautzener UIC-Y Wagen.

Nach 15 Minuten Fahrt erreichten wir 16:31 Uhr Děčín hl.n. und hatten am gleichen Bahnsteig direkt Anschluss. Mit der “Nationalparkbahn“, einem Desiro
der Deutschen Bahn der durch die České dráhy betrieben wird, fuhren wir 16:41 Uhr weiter nach Bad Schandau.


Einfahrt in Děčín mit DB 642 037 als Os 5451 nach Rumburk. Mit diesem fuhren wir weiter nach Bad Schandau.


Blick auf Hřensko, dem tiefst gelegenen Ort Tschechiens (112,5 m n.m.)

Wir erreichten 17:10 Uhr mit dem Os 5451 Bad Schandau. Hier bestand wieder direkter Übergang an die S1 (31754) 17:15 Uhr nach Meißen-Triebischtal.
Wir fuhren bis Dresden Hbf, welchen wir 17:58 Uhr erreichten. Die letzte Etappe war dann die RB 26930 der Mitteldeutschen Regiobahn, welche 18:06 Uhr
in Dresden Hbf abfuhr. Pünktlich 19:25 Uhr waren wir nach 517 km wieder zurück in Chemnitz.

Es war eine schöne Rundfahrt bei herrlichem Herbstwetter für gerade einmal 16 Euro pro Person. Es ist interessant, wie unterschiedlich der
Eisenbahnverkehr auf beiden Seiten des Erzgebirges war. Ich bevorzugte eindeutig die südliche Variante davon!



 

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© 2024, Stefan Fritzsch