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  21.07. - 23.07.2019 - [CZ][AT][SK] Eisenbahn-Rundfahrt-Nachwuchs-Gewinnung - Teil 1  



Als ich gerade bei der Planung für die jährliche Eisenbahn-Sommerreise mit meinem Vater war, kam meine 11-jährige Tochter mit der Bitte auf mich zu, dass ich mit
ihr auch einmal eine Eisenbahnrundreise, so wie mit dem Opa, unternehmen soll. Sie möchte gern wieder einmal mit einem Schlafwagen fahren. Zum Abschied
der DB Nachtzüge hatten wir 2016 einen Familienausflug nach Köln unternommen.

Nach kurzer Überlegung war ich mir sicher, dass ich mit ihr eine Eisenbahnreise unternehmen werde. Schnell war auch ein grober Plan entstanden, den es galt in Form zu bringen. Da ich nach der Rundfahrt mit meinem Vater noch ein 4 Tage gültiges Jízdenka na léto hatte, war das Hauptreisegebiet schnell abgesteckt. Jetzt galt es die Route so zu planen, dass das Zugfahren nicht zu langweilig wird und meiner Tochter eine tolle Erinnerung bleibt. So gingen wir auf eine 3-tägige Fahrt.

21.07.2019

Nachdem ich am Vortag von der Rundfahrt mit meinem Vater zurückgekehrt war, hieß es wieder Rucksack packen und ab zum Bahnhof. Erstes Ziel unserer Reise war Praha. Nach der Verabschiedung vom Rest der Familie starteten wir 15:30 Uhr im Chemnitzer Hauptbahnhof in unser Abenteuer. Mit der RB 74089 fuhren wir als erstes nach Dresden.


Unsere Eisenbahnreise beginnt…

Dresden Hbf erreichten wir pünktlich 16:50 Uhr und wechselten zum Bahnsteig 17. Hier warteten wir auf den EC 177 „Berliner“ aus
Hamburg-Altona, welcher uns nach Praha bringen sollte. Pünktlich kam ČD 193 297 eingefahren und setzte 17:10 Uhr ihre Fahrt fort.


Blick in die Dresdener Bahnhofshalle u.a. mit MRB 1440 201, mit welchem wir aus Chemnitz gekommen waren.


Einfahrt von ČD 193 297 „Seppl“ mit dem EC 177 „Berliner“ in Dresden Hbf.

Zum Sonntag-Nachmittag war der Zug gut gefüllt. Wir fanden im Wagen 258, einem Bmz245 (CZ-ČD 73 51 21-91 005-1), zwei Plätze. Direkt nach der Abfahrt in Dresden wurde das Abteil neben uns frei, da die Reisenden sich schon für den Ausstieg in Bad Schandau bereitmachten. Kurz entschlossen wechselten wir
noch einmal den Platz und hatten jetzt ein Abteil für uns. Ich zeigte meiner Tochter erst einmal, wie man ein Abteil zu einer Liegefläche verwandeln kann.

Bei der Ankunft in Děčín wechselten wir wieder. Zum einen die Fahrkarten: Bis hierher hatten wir ein First-Minute-Europe für zusammen 380 Kč (14,86 €) genutzt. Ich nutzte ab sofort wieder mein Jízdenka na léto, meine Tochter war nun mit einer Kinderfahrkarte mit Zugbindung für 27 Kč (1,06 €) bis Praha unterwegs. Zum anderen wechselten wir in den Speisewagen. Der WRmz815 (CZ-ČD 73 51 88-91 002-8) war gut besucht, hatte aber noch einen 2er Tisch zur Elbseite für uns
frei. Wir bestellten beide Lendenbraten mit Knödel und bereuten unsere Entscheidung nicht. Das Essen war richtig lecker. Zum Nachtisch genossen wir ein Eis, während mittlerweile die Moldau vor dem Fenster an uns vorbeizog.


Lendenbraten mit Knödel, im Menü mit einem Wasser für 6,60 €.


Blick auf die Moldau kurz vor Praha.



Auf die Minute pünktlich erreichten wir 19:26 Uhr Praha hl.n.. In der Nähe des Masarykovo nádraží hatte ich ein Hotelzimmer für die kommende Nacht gebucht.
Wir brachten unsere Sachen auf das Zimmer und machten uns anschließend auf den kurzen Fußweg in die Altstadt.


Der wichtigste Wagen im Zug. Der WRmz815 (CZ-ČD 73 51 88-91 002-8).




Rathaus und St. Nikolaus Kirche am Altstädter Ring (Malé náměstí).

Die Stadt war zum Sonntagabend immer noch heillos überlaufen. Gegen 22:15 Uhr waren wir wieder zurück im Hotel und fielen Müde in unsere Betten.

22.07.2019

Nach dem klingeln des Weckers kamen wir nur schwer aus den Betten. Wir frühstückten im Hotel und machten uns 07:45 Uhr auf den kurzen Fußweg zum Hauptbahnhof. Erster Zug für diesen Tag war der EC 141 „Ostravan“ von Praha hl.n. nach Zilina. Im Wagen 365 hatte ich 2 Plätze reserviert. Bei meiner
Tochter war die Reservierung in ihrer Fahrkarte inklusive, ich bezahlte 35 Kč (1,37 €). Laut Zugbildungsplan sollte der Wagen 365 montags ein ehemaliger
österreichischer Bmz234 mit Übersetzfenster sein. Leider aber nicht an diesem Montag. Stattdessen war mit dem Bmz226 (A-ČD 61 81 21-90 114-3) zwar
auch ein Ex-Österreicher eingereiht, dessen Fenster sich aber nicht öffnen ließen.


Hinter der Straßenbahn der Hauptsitz des Infrastrukturbetreibers SŽDC.


ČD 151 014 mit dem EC 141 „Ostravan“ in Praha hl.n..

Pünktlich 08:24 Uhr erfolgte die Abfahrt. Im Wagen stand die Luft und die Klimaanlage kam nur schwer in Gang. Frischluftzufuhr wäre jetzt klar von Vorteil gewesen. Meine Tochter machte sich erst einmal lang und legte noch ein Nickerchen ein. Wir teilten uns das Abteil mit einem Mann. In Pardubice kam noch ein weiterer hinzu.

Da am Zugschluss bis Olomouc noch ein B249 mit lief, konnte der Zug nur max. 140 km/h fahren und sammelte ein paar Minuten Verspätung. Mit derer 8 Minuten erreichten wir 10:52 Uhr nach 250 Kilometern Olomouc hl.n. und stiegen aus. Wir hatten nur einen kurzen Aufenthalt und wechselten den Bahnsteig.
Pünktlich 11:09 Uhr setzten wir unsere Reise mit dem R 810 „Moravan“ fort. Mit einem InterPanther fuhren wir eine Station und 14 Minuten später hatten wir das
22 Kilometer südlich entfernte Přerov erreicht.


Blick auf ČD 151 014 und den Bmz226 (A-ČD 61 81 21-90 114-3) in Olomouc hl.n..


Die Zugbegleiterin erteilte den Abfahrtsauftrag für ČD 660 102 als R 810 „Moravan“ nach Brno.

Bis zu unserem nächsten Zug hatten wir eine halbe Stunde Aufenthalt. Schon lange hatte ich den Besuch bei WARS auf meiner Liste offener Punkte. Bis jetzt
hatte es aber nie geklappt, daher war es an der Zeit dies zu ändern. Der EC 103 „Polonia“ von Warschau nach Wien bot sich zur Mittagszeit dazu perfekt an.
Ab Bohumín hatte ČD 380 003 die Zugleistung übernommen und erreichte mit 4 Minuten Verspätung Přerov. Als Wagen 351 war ein WRmnouz
(PL-PKPIC 61 51 88-70 182-0) noch mit Übersetzfenstern eingereiht. Um 11:57 Uhr erfolgte die Abfahrt.


Einfahrt von ČD 380 003 mit dem EC 103 „Polonia“ in Přerov. Am Zugschluss lief bis Břeclav ČD 362 172 mit.

Der Speisewagen war nur spärlich besetzt. Wir hatten Hunger und bestellten Hühnchen in Kapern-Paprika-Soße und ein Schnitzel, dazu zwei Soft-Drinks.
Während am Fenster die Landschaft Mährens an uns vorbeizog, genossen wir unser leckeres Mittagessen.


Unser Mittag für zusammen 71 Złoty (17 €).

Nächstes Ziel unserer Reise war mit Wien die zweite europäische Hauptstadt an diesem Tag. Bis Břeclav hatte meine Tochter Fahrkarten für 126 Kč (3,56 €) genutzt. Ab Břeclav bis Wien Hauptbahnhof nutzte ich eine ÖBB-Sparschiene für 7 Euro. Meine Tochter fuhr kostenlos mit.


Wir überquerten die Donau. Wien war erreicht.


Einfahrt in Wien Hbf. Links der Gegenzug EC 102 „Polonia“ nach Warschau.


Der WRmnouz (PL-PKPIC 61 51 88-70 182-0) nach der Ankunft in Wien.



Mit 13 Minuten Verspätung erreichten wir Wien Hauptbahnhof 14:02 Uhr. Unser Aufenthalt in der Donaumetropole sollte aber nur 40 Minuten dauern.

Wir drehten eine Runde durch den Bahnhof und begaben uns anschließend zum Bahnsteig 10. Hier stand bereits ŽSSK 383 110 mit dem IC 45 von
Wien nach Košice bereit. Im Wagen 403, dem Multifunktionswagen der Gattung Bdghmeer (SK-ŽSSK 61 56 28-70 018-4), fanden wir noch ein freies Abteil.
Pünktlich 14:42 Uhr setzt sich der Zug in Bewegung.


ŽSSK 383 110 mit dem IC 45 nach Košice. Die Lok trug noch die Werbung für die Eishockey WM 2019 in der Slowakei.


Blick in unser Abteil im Bdghmeer (SK-ŽSSK 61 56 28-70 018-4).

Natürlich hatte ich diesen Zug nicht ohne Grund ausgewählt. Neben dem tschechischen und dem polnischen Speisewagen sollte meine Tochter natürlich auch
den slowakischen Speisewagen kennen lernen. So begaben wir uns auf den Weg in den WRRmeer (SK-ŽSSK 61 56 88-70 014-0). Das Speisewagenpersonal
hatte wohl nicht mit Besuch gerechnet und fühlte sich etwas ihn seiner Ruhe gestört.

Ich wählte zum Nachmittag den Apfel-Zimt-Strudel, meine Tochter entschied sich für Tomate-Mozzarella. Dazu nahmen wir noch Wasser und Apfelsaft. Ich fühlte mich ein wenig an die MDR Doku „Kulinarische Gleise“ erinnert. Als ich die Rechnung verlangte, begann der Mitarbeiter wild in seine Kasse zu tippen. Ich bekam die Rechnung mit 8 Positionen, davon 3 Stornos für unsere 4 Sachen. Ich rechnete noch einmal nach und tatsächlich war zu viel auf der Rechnung angesetzt.
Dies hatte natürlich einen etwas faden Beigeschmack. Wir bezahlen was wirklich zu bezahlen war und begaben uns wieder in den Nachbarwagen. Unser Abteil
war noch frei und so nahmen wir hier wieder Platz.


Unser Vesper bei Wagon Slovakia Košice für 7,90 €.

Der Zug verkehrte von Wien über die Ostbahn nach Bratislava-Petržalka, um anschließend einmal die Stadt mehr oder weniger zu umrunden. Pünktlich 15:58 Uhr erreichten wir nach 95 Kilometern Bratislava hl.st. und stiegen aus. Als Fahrkarten hatte ich von Wien eine ÖBB-Sparschiene für 14 Euro genutzt, meine Tochter war wieder kostenlos mitgefahren.


Willkommen im Land von Blonski. Links der R 606 „Liptov“ aus Košice, rechts der IC 45 dahin.

Mit Bratislava hatten wir die dritte europäische Hauptstadt an diesem Tag erreicht und jetzt war erst einmal Zeit für eine Zug-Pause.
Unser erster Weg führte zur Gepäckaufbewahrung, denn wir wollten unsere Rundfahrt erst am Abend fortsetzten.

Weiter geht es im Teil 2.



   
© 2020, Stefan Fritzsch