bahnsachse.de
  21.07. - 23.07.2019 - [CZ][AT][SK] Eisenbahn-Rundfahrt-Nachwuchs-Gewinnung - Teil 2  



Nachdem wir unsere Rucksäcke abgegeben hatten, machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Auf Grund der hohen Temperatur von 32 °C entschieden wir uns,
den Bus dahin zu nehmen. Ein 15 Minuten-Ticket kostete 0,70 € für Erwachsene, 0,35 € für Kinder.

Erstes Ziel wurde die Most SNP (Brücke des slowakischen Nationalaufstandes). Die Brücke ist wohl das bekannteste Wahrzeichen der Stadt und mir seit meinem ersten Besuch im Sommer 1988 in Erinnerung geblieben. Neben einem Restaurant auf 86 Meter Höhe befindet sich in 95 Meter Höhe eine Aussichtsplattform,
von der man einen herrlichen Blick über die Stadt genießt. Heute wird Restaurant und Aussichtsplattform unter dem Namen UFO vermarktet. Der Eintritt betrug
7,40 € für Erwachsene und 4,95 € für Kinder.


Blick aus Richtung Norden auf die Most SNP.


Blick aus luftiger Höhe in Richtung Norden mit der Burg, dem Fernsehturm, dem Martinsdom und der Altstadt.


Blick Richtung Süden auf Bratislava-Petržalka. Das Gebiet mit der höchsten Bevölkerungsdichte der Slowakei.

Nachdem Besuch der Brücke schlenderten wir mit einem Abstecher zur Burg in die Altstadt. Im Gegensatz zu den Menschenmassen in Praha war der Bummel
durch die Altstadt von Bratislava sehr entspannend. Am Primaciálne námestie schauten wir bei den Dreharbeiten für einen Werbespot eines deutschen Kaffeeunternehmens zu. Nach einer Stärkung ließen wir den Abend an der Donau ausklingen.


Hauptmarkt (Hlavná námestie) mit dem alten Rathaus.


Slowakisches Nationaltheater (Slovenské národné divadlo).


Blick auf die Most SNP in der Abenddämmerung.

Kurz nach 21 Uhr machten wir uns mit der Straßenbahn auf den Rückweg zum Bahnhof. Mit dem EN 476/IC 572 „Metropol“ wollten wir zurück nach Praha fahren.
Ich war etwas angespannt, denn der Zug war eine Wundertüte. Seine Ankunft in Bratislava war bei meinen Beobachtungen zwischen fast pünktlich und riesig verspätet. Allein an den beiden Tagen zuvor betrug die Verspätung 118 Minuten und 74 Minuten. So war ich erleichtert, als der Zug gegen 20 Uhr endlich in der Zugauskunft der ZSR mit nur 13 Minuten Verspätung auftauchte.

Am Bahnhof angekommen holten wir unsere Rucksäcke ab und ließen am Hausbahnsteig die abendliche Stimmung auf uns wirken. Es war schon ein komisches Gefühl. Vor 30 Jahren saß ich als Kind im gleichen Alter wie meine Tochter hier und wartete mit meinen Eltern auch auf den Nachtzug. Damals, 1988 und 1990 fuhren wir mit dem „Istropolitan“ zurück nach Dresden. Dies war seit Dezember 2017 leider nicht mehr möglich.


Abendstimmung an der hlavná stanica.

Der Zug sammelte noch zusätzliche 8 Minuten Verspätung und erreichte 22:24 Uhr Bratislava hl.st.. Mit 13 Wagen hatte er eine stattliche Länge. Ich hatte im
Wagen 363, einem WLABmz826 (CZ-ČD 61 54 72-91 007-9) ein Double im Abteil Nr. 7, Plätze 41 und 45 für 944 Kč (36,94 €) reserviert. Um 22:29 Uhr setzte
sich der Zug wieder in Bewegung. Leider war in unserem Wagen die Dusche defekt. Da im Sommer aber zwei Schlafwagen nach Praha verkehrten, konnten
wir zum Duschen in den Nachbarwagen ausweichen. Müde fielen wir in unsere Betten.

Als Fahrkarten hatte ich bei der ŽSSK Online-Tickets für mich bis Břeclav für 5,20 € und für meine Tochter bis Praha für 5,30 € gekauft.
Wir erreichten 23:20 Uhr Břeclav. Hier blieben die Wagen nach Praha für die nächsten 6 Stunden stehen.

23.07.2019

Die Nacht hätte besser sein können. Leider befand sich unter unserem Abteil das Klimaaggregat, welches die ganze Nacht brummte. Zudem waren die Matratzen knochenhart. Kurz nach der Abfahrt in Břeclav weckte ich gegen 05:30 Uhr auf. Ich döste noch ein wenig, beschloss aber hinter Brno, die Landschaft an meinem
Bett vorbei ziehen zu lassen und öffnete etwas das Rollo. Wir waren mit 20 Minuten Verspätung unterwegs.

Als wir Ústí nad Orlicí passiert hatten, weckte auch meine Tochter auf. Ich holte die Frühstücksboxen ab, denn wir wollten im Speisewagen frühstücken. Dies
stieß beim Schlafwagenbetreuer auf etwas Unverständnis. Als Speisewagen war außerplanmäßig ein Ex-ÖBB WRmz817 (A-ČD 61 81 88-90 205-9) eingereiht.
Anders als bei der Rundfahrt mit meinem Vater 2018 war der Weg nicht versperrt und der Speisewagen gut besucht. Fast alle der 40 Sitzplätze waren belegt.
Das Speisewagenpersonal hatte viel zu tun und so kam unsere Bestellung in Etappen.

Wir erreichten 08:29 Uhr Praha hl.n. mit 22 Minuten Verspätung. Da der IC 572 regelmäßig verspätet war, hatte ich wohlweislich mit etwas Übergangszeit und nicht direkt mit dem nächsten EuroCity nach Deutschland geplant. Zudem stand ein weiterer offener Punkt auf meiner Liste.


ČD 380 009 hatte den IC 572 „Metropol“ von Břeclav nach Praha hl.n. befördert.


Der Ex-ÖBB WRmz817 (A-ČD 61 81 88-90 205-9).

Einen langen Aufenthalt hatten wir aber nicht mehr. Nächster Zug unserer Rundfahrt war der R 690 „Labe“ nach Děčín. Die Strecke war ich schon so oft gefahren, aber noch nie im alten Bautzener UIC-Y Wagen. Dies wurde langsam Zeit, denn die Wagen sollten auf der als R 20 bezeichneten Linie wohl bald verschwunden
sein. Der Zug stand schon bereit und im Wagen 369, einem B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 926-6, Bautzen 1985), fanden wir ein freies Abteil. Pünktlich 08:51 Uhr
setzte sich der Zug in Bewegung.


ČD 150 202 mit dem R 690 „Labe“ in Praha hl.n..


Warum ich das Bahnfahren in Tschechien so mag? Unter anderem wegen solcher Szenen.


Blick auf Praha mit Pulverturm (Prašná brána), Masarykovo nádraží und Burg (Pražský hrad).

Meine Tochter kämpfte mit der Müdigkeit und machte sich auf der Sitzbank noch einmal lang. Ich genoss die Fahrt entlang der Moldau an diesem herrlichen Sommermorgen am offenen Fenster und ließ die letzten sechs Tage noch einmal Revue passieren, es war eine wunderbare Zeit. Der Zug füllte sich von Station
zu Station, wir behielten das Abteil aber für uns.


ČD 150 212 mit dem R 677 „Labe“ nach Praha hl.n. in Praha-Podbaba.


Ein letzter Blick zurück auf Praha.


So macht Eisenbahn Spaß.


Maus und Elefant in Roudnice nad Labem.




Blick auf das Stauwerk und die Burg Střekov in Ústí nad Labem hl.n.

Nach 106 Kilometern erreichten wir 10:24 Uhr mit 10 Minuten Verspätung Ústí nad Labem hl.n. und stiegen aus. Für mich war der letzte Zug mit meinem Jízdenka na léto. Meine Tochter bezahlte für ihre Fahrkarte von Praha 27 Kč (1,06 €). Bis zu unserem nächsten Zug hatten wir 1 ½ Stunden Aufenthalt. Wir nutzten die Zeit für einen Abstecher auf den Větruše. Vom Einkaufscenter neben dem Bahnhof fuhren wir mit der Seilbahn für 45 Kč (1,80 €) pro Person für Hin- und Rückfahrt
auf den Berg. Die Seilbahn verkehrte alle 15 Minuten. Oben angekommen hatten wir einen herrlichen Blick über die Stadt, die Bahnanlagen und das Elbtal.


Blick auf Ústí nad Labem hl.n. und das Elbtal.


Eine unbekannt gebliebene ČDC 130 überquerte die Elbe.

Zurück am Bahnhof war es an der Zeit für den Heimweg. Für diesen nutzten wir als erstes den EC 174 „Berliner“ von Praha hl.n. nach Hamburg-Altona.
Dieser wurde mit 10 Minuten Verspätung angezeigt, unser Übergang in Dresden Hbf betrug aber planmäßig nur 9 Minuten. Ich rechnete schon damit,
dass wir den Anschluss nicht schaffen würden.

Die Wagenreihung des Zuges war ziemlich durcheinander. Direkt hinter der Lok lief der Speisewagen, statt zwei waren vier Großraumwagen eingereiht.
Der Zug war sehr voll, wir fanden aber im Wagen 259, außerplanmäßig ein Bdmpz227 (CZ-ČD 61 54 29-91 046-1), zwei Plätze. Mit 9 Minuten Verspätung
verließen wir 11:52 Uhr Ústí nad Labem hl.n..


Einfahrt von ČD 193 297 „Seppl“ mit dem EC 174 „Berliner“ in Ústí nad Labem. Im Hintergrund der Větruše.

Der Personalwechsel in Děčín verlief zügig und der Triebfahrzeugführer legte sich trotz Langsamfahrstelle in Bad Schandau Ost ins Zeug. Die Verspätung war
bei der Ankunft in Dresden Hbf 12:47 Uhr auf 4 Minuten geschmolzen. Wir hatten keinen langen Weg zurück zu legen und so erreichten wir entspannt unseren
letzten Zug der Rundfahrt, den RE 74038 der Mitteldeutschen Regiobahn nach Hof Hbf.


MRB 1440 213 brachte uns zurück nach Hause.

Die Abfahrt erfolgte pünktlich 12:52 Uhr und 60 Minuten später hatten wir wieder Chemnitz Hbf nach insgesamt 1.495 Kilometern erreicht.
Von Ústí nad Labem hl.n. nach Chemnitz nutzten wir ein First-Minute-Europe der ČD für zusammen 391 Kč (15,28 €).

Es war eine sehr schöne Rundfahrt. Meine Tochter hatte sehr viel Spaß und das Zugfahren war ihr nie langweilig geworden.
Vielen Dank, dass du alles so super mitgemacht hast. Die nächste Rundfahrt kommt, versprochen!



 

 Weitere Reiseberichte   
Mit 18 201 nach Regensburg
Westwärts durch Mittelböhmen
Unterwegs mit dem Excelsior



© 2024, Stefan Fritzsch