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  10.07. - 12.07.2020 - [CZ] Außerordentliche Ereignisse - Teil 1  



Das Jahr 2020 ist wohl von einem weltweiten außerordentlichen Ereignis maßgeblich geprägt. Ich hatte auf Grund dieser Situation eigentlich nicht mehr damit gerechnet, dass ich eine alljährliche Sommer-Rundfahrt unternehmen werde. Mitte Juni ließ mich die Nachricht aufhorchen, dass in Tschechien zum 01.07.2020
auf Grund geringer Infektionszahlen die Anti-Corona-Maßnahmen gelockert und auch die geltende Maskenpflicht bis auf einige Ausnahmen aufgehoben werden sollte. Ich begann sofort mit einer groben Planung, welche dann, nachdem das Ende der Maskenpflicht offiziell bestätigt wurde, konkretisierte wurde.

So ging ich mit meinem Vater vom 10.07. bis 12.07.2020 über ein Wochenende zu einer kleinen Rundfahrt ins Nachbarland. Leider lief im Eisenbahnverkehr
in Tschechien Anfang Juli einiges nicht rund und so musste ich während unserer Rundfahrt mehrfach in der App Můi Vlak auf meinem Handy den Eintrag „Außerordentliches Ereignis“ lesen, welcher auch unsere Planungen etwas durcheinander brachte.

10.07.2020

Bis Ústí nad Labem nahmen wir von Chemnitz den klassischen Weg und starteten 11:30 Uhr mit der RB 74055 nach Dresden Hbf, wo wir 12:51 Uhr
ankamen. Nach einem kleinen Mittagssnack kam bereits ČD 193 291 „Linda“ mit dem EC 379 „Berliner“ aus Kiel Hbf eingefahren. Wir fanden im Wagen 258,
einem Bmz245 (CZ-ČD 73 54 21-91 023-4) zwei Fensterplätze zur Elbseite und pünktlich 13:10 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Bis Ústí nad Labem
verlief die Fahrt, trotz Baustelle zwischen Schöna und Dolní Žleb, planmäßig und ohne Vorkommnisse.


Einfahrt von ČD 193 291 „Linda“ mit dem EC 379 „Berliner“ aus Kiel Hbf in Dresden Hbf.

Pünktlich 14:18 Uhr erreichten wir Ústí nad Labem hl.n.. Bis hierher hatten wir zwei SuperSparPreise der DB zu je 14,90 Euro genutzt. Nach einem
kurzen Aufenthalt fuhren wir 14:39 Uhr mit dem R 687 „Labe“ ins 22 Kilometer entfernte Lovosice. Die kurze Fahrt genossen wir am offenen Fenster
des Halbgepäckwagens BDs449 (CZ-ČD 51 54 82-40 430-5), Baujahr 1981. Ab Lovosice sollte unsere Fahrt über die Nebenbahn nach Louny und
weiter nach Kralupy nad Vltavou gehen, um hier wieder auf die Hauptbahn nach Praha zu treffen.


Einfahrt von ČD 162 019 mit dem R 687 „Labe“ nach Praha hl.n. in Ústí nad Labem hl.n..


Ein Blick zurück ins Elbtal.

Diese Entscheidung stellte sich als goldrichtig heraus, denn was wir zum Zeitpunkt der Abfahrt in Ústí nad Labem hl.n. nicht wussten, in Roudnice nad Labem gab
es ein außerordentliches Ereignis. Eine Oberleitungsstörung führte dazu, dass der Betrieb auf der Hauptstrecke 14:30 Uhr gestoppt wurde. Sowohl der EC 379
als auch der R 687 (ver)endeten in Roudnice nad Labem und hatten Praha nie erreicht. Wir hingegen stiegen pünktlich 14:56 Uhr in Lovosice aus und wechselten auf den 1. Bahnsteig. Hier stand bereits ČD 814 032 als Os 6142 aus Litoměřice nach Louny bereit. Pünktlich 15:02 Uhr erfolgte die Abfahrt der RegioNova.


ČD 814 061 als Os 6145 nach Litoměřice und ČD 814 032 als Os 6142 nach Louny in Lovosice.

Nachdem die Hauptbahn gekreuzt wurde, fuhren wir mit deiner Durchschnittsgeschwindigkeit von 38 km/h gemütlich übers Land, immer mit dem Blick
auf das Böhmische Mittelgebirge (České středohoří). Am Himmel bildeten sich leider immer mehr dicke Wolken.


Blick zurück auf das Böhmische Mittelgebirge (České středohoří).


Das Wahrzeichen des Böhmische Mittelgebirges ist die Hazmburk (Hasenburg).

Nach 34 Kilometer erreichten wir 15:55 Uhr pünktlich Louny. Hier hatten wir einen kleinen Aufenthalt, bevor wir 16:39 Uhr mit dem Os 9715 nach Kralupy
nad Vltavou fahren wollten. Die Zeit bis dahin verbrachten wir auf einer Bank vor dem Empfangsgebäude.




ČD 810 528 wurde als Os 9715 nach Kralupy nad Vltavou bereitgestellt.


In Louny gibt es mit Vagonka Louny a.s. ein großes Güterwagenwerk. Dementsprechend steht der Bahnhof voller Güterwagen.

Die Leistung nach Kralupy nad Vltavou oblag ČD 810 528. Pünktlich 16:39 Uhr setzte sich der Triebwagen für die 63 Kilometer lange Fahrt in Bewegung.
Hinter Louny gewinnt die Strecke stetig an Höhe, so dass sich wunderbare Aussichten auf die Landschaft ergaben.


Blick auf Černiče mit der Strecke nach Lovosice im Vordergrund.


Nach einigen Kilometern Fahrt bietet sich dieser erhöhte Blick auf Černiče.


Zugkreuzung in Peruc mit ČD 809 163 als Os 9714 nach Louny.


Getreidefelder soweit das Auge reichte.

Kralupy nad Vltavou erreichten wir pünktlich 18:09 Uhr. Für diesen Tag lagen nur noch 27 Kilometer bis Praha hl.n. vor uns und R 697 „Labe“ sollte uns dahin bringen. Als ich im Můi Vlak schauen wollte, wo der Zug steckt, sah ich das außerordentliche Ereignis, welches wir unbewusst umfahren hatten. Zu unserem Glück
lief der Betrieb gerade wieder an und so herrschte nun reger Betrieb auf der Strecke. Aus Richtung Praha kamen kurz hintereinander der rj 256 „Vindobona,
R 606 „Krušnohr“ und R 678 „Labe“. Aus der Gegenrichtung der EC 175 „Berliner“, R 615 „Krušnohr“ und mit 15 Minuten Verspätung unser R 697 „Labe“.


ČD 810 528 nach der Ankunft in Kralupy nad Vltavou.


ÖBB 1216 249 mit dem rj 256 „Vindobona“ (Graz Hbf – Berlin-Charlottenburg).


ČD 371 005 und 371 001 mit dem R 678 „Labe“ (Praha hl.n. – Děčín hl.n.).


Einfahrt von ČD 162 013 mit dem R 697 „Labe“ nach Praha hl.n. in Kralupy nad Vltavou.

Im Wagen 366, einem Bee272 (CZ-ČD 50 54 20-38 014-7) fanden wir ein freies Abteil. Wir verließen 18:54 Uhr Kralupy nad Vltavou und bis hinter
Praha-Holešovice verlief alles normal. Dann kamen wir bei der Ein- bzw. Ausfädelung der Strecken von Praha-Vysočany und Praha-Libeň zum Stehen.
Neben uns standen hintereinander der Rychlik aus Brno und der Regiojet aus Wien Hbf. Ich wunderte mich, was diese auf der Strecke aus Richtung
Lysá nad Labem machten. Ich dachte mir schon, da scheint es auf der Hauptmagistrale nach Osten wohl ein außerordentliches Ereignis zu geben.
Da der aufgestaute Verkehr von zwei Hauptstrecken auf den hlavní nádraží zu rollte, kam dieser an seine Kapazitätsgrenze.


RegioJet 386 202 mit dem RJ 1048 aus Wien Hbf.

Die Luft im Wagen wurde derweil immer unangenehmer. Der Wagen verfügte nur über schmale Klappfenster, aber keine Klimaanlage. Die Außentemperatur
betrug noch weit über 20 °C. Eine halbe Stunde durften wir am Einfahrtssignal warten, bis endlich ein Bahnsteig für uns frei war. Mit 45 Verspätung erreichten
wir 19:55 Uhr Praha hl.n.. Von Ústí nad Labem hatte ich Tickets bei der ČD für zusammen 273 Kč (10,33 €) gekauft. Für die kommenden 2 Nächte hatte
ich Hotelzimmer am Václavské náměstí (Wenzelsplatz) gebucht. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, drehten wir noch eine Runde durch die Stadt.


Das Národní muzeum (Nationalmuseum) im warmen Abendlicht.



Zurück im Hotel schaltete ich den Fernseher ein und sah direkt, was am frühen Abend auf der Trat‘ 010 passiert war. In Praha-Běchovice hatte es eine Flankenfahrt zwischen einem Rychlík und einem CityElefant gegeben. Vorrausgegangen war, dass ein SuperCity in einen Personenunfall verwickelt gewesen war und der Verkehr auf einem Gleis eigentlich weiterlief. Der CityElefant sollte die gestrandeten Passagiere des SuperCity abholen. Dabei kam es zur Flankenfahrt mit dem R 989. Daraufhin wurde dann die Strecke voll gesperrt. Ich hoffte, dass sich der Verkehr bis zum nächsten Tag wieder normalisierte.

Weiter geht es im Teil 2.



   
© 2020, Stefan Fritzsch