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  10.07. - 12.07.2020 - [CZ] Außerordentliche Ereignisse - Teil 2  



11.07.2020

Über Nacht hatte es leider einen Wetterumschwung gegeben. Nachdem am Vortag noch knapp 30 °C herrschten, hatte sich die Temperatur halbiert und ein dickes Regenband zog von Westen über Tschechien. Nachdem Frühstück im Hotel machten wir uns kurz vor 8 Uhr auf den Weg zum Bahnhof.

Erster Zug des Tages sollte der Sp 1596 „Cyklo Brdy“ nach Blatná werden. Von Blatná wollten wir dann weiter nach Ražice fahren. So war der Plan. Als Fahrkarten für den Tag hatte ich ein Skupinová víkendová jízdenka region Středočeský (Wochenendgruppenticket Region Mittelböhmen) und ein Skupinová víkendová jízdenka region Jihočeský (Wochenendgruppenticket Region Südböhmen) gekauft. Ersteres war auf Grund eingelöster Bonuspunkte im ČD-Onlineshop kostenlos, Zweiteres kostete 259 Kč (9,80 €). Der Zug war an der Anzeigetafel angeschrieben und wir warteten, bis der Bahnsteig angezeigt werden sollte. Die Zeit verging, aber es passierte nichts. Sieben Minuten vor Abfahrt dann plötzlich die Anschrift „Spoje zrušen“, Verbindung abgesagt. Schon einmal hatte es nicht geklappt mit diesem Zug zu fahren.

„Wieso das? Was ist schon wieder passiert?“ dachte ich. Ich begann zu überlegen, wie wir den Tag umplanen und dabei die vorhandenen Tickets nutzen könnten. Erste Idee war, ein Stück mit dem R 1272 „Kokořínský rychlík“ der KŽC mitzufahren. Auf zum 7. Bahnsteig. Als wir ankamen, fuhr der Zug gerade ab. Der dahinter- stehende R 1276 „Bezdězský rychlík“ war für den nächsten Tag geplant und daher kein Option. Plötzlich war der Blick durch die Bahnhofhalle frei und auf dem 1. Bahnsteig sah ich die Garnitur des Sp 1596 „Cyklo Brdy“. Also schnell dahin. Leider fuhr auch dieser Zug ohne uns ab, war aber als Ex 562 nach Cheb angezeigt. Was war hier los? Nächste Idee war der Os 9057 nach Čerčany. Der Zug war am 4. Bahnsteig angeschrieben und ČD 749 264 stand mit dem Zug am Bahnsteig. Als wir gerade einsteigen wollten erloschen die Bahnsteiganzeigen. Eine Nachfrage beim Zugbegleiter brachte die Erkenntnis: Zug abgesagt! Meine Laune war im Keller.

Was wir nicht wussten, in der Nacht hatte es ein außerordentliches Ereignis zwischen Dobřichovice - Prag-Radotín gegeben. Im wegen Bauarbeiten eingleisigen Abschnitt hatte ein CityElefant die Oberleitung beschädigt, die Strecke war gesperrt. Die Bardotka-Garnituren des Sp 1596 und Os 9057 wurden dazu eingesetzt,
die Passagiere auf der unelektrifizierten Strecke über Rudná u Prahy nach Beroun zu bringen.

Ich hatte erstmal keine Idee mehr und der strömende Regen und die kühlen Temperaturen taten das Übrige für meine Laune. Wir beschlossen, mit dem nächsten Rychlík, dem R 711 „Vltava“ (Praha-Holešovice – Veselí nad Lužnicí) erst einmal nach Süden zu fahren. Der Zug war aus klassischen Bautzener UIC-Y Wagen gebildet, wenigsten etwas. Im Wagen 366, einem B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 880-5) Baujahr 1984, fanden wir ein freies Abteil.


ČD 362 116 „Leontýnka“ mit dem R 711 „Vltava“ nach Veselí nad Lužnicí.


Dieser Anblick hob dann meine Laune etwas an.

Der Zug setzte sich pünktlich 9:31 Uhr in Bewegung. Ich begann mit der Planung für den weiteren Tag und stelle fest, dass wenn wir diesen Zug bis Veselí nad Lužnicí nutzen und da in den R 668 „Rožmberk“ umsteigen, um 12:40 Uhr in Ražice sind, wo wir 13:32 Uhr an unseren Tagesplan wieder anschließen könnten.
Ich war erleichtert und auch froh, dass die anderen Alternativen nicht geklappt hatten. So machten wir das beste aus der Situation und ließen die böhmische Landschaft und den Regen im gemütlichen Bautzener an unserem Abteilfenster vorbeiziehen.


Bei Střezimíř wird kräftig an der Neutrassierung der Strecke gearbeitet.


Ankunft in Veselí nad Lužnicí. Wir sollten nicht das letzte Mal heute hier sein.

Mit 4 Minuten Verspätung erreichten wir 11:26 Uhr Veselí nad Lužnicí. Ein Blick in Můi Vlak gab die Info, dass der R 668 „Rožmberk“ 20 Minuten verspätet
war. Wie sollte es auch anders sein, gab es wieder ein außerordentliches Ereignis. Am Vorabend war der Os 18416 in einen umgestürzten Baum gefahren.
Die Strecke war zwischen Jihlava und Kostelec u Jihlavy weiterhin gesperrt und ein Busnotverkehr eingerichtet.

Die Einfahrt des R 668 brachte dann eine Überraschung. Es war ein Ersatzzug, gezogen von ČD 242 259 und gebildet aus einem BDs449 und zwei A149.
Im A149 (CZ-ČD 51 54 19-41 107-6), Baujahr 1978, fanden wir ein freies Abteil und hatten eine erstklassige Bahnfahrt. Mit 20 Minuten Verspätung erfolgte
die Abfahrt 11:48 Uhr. Von der Zugbegleiterin wurden wir informiert, dass wir in České Budějovice umsteigen müssten.


Einfahrt von ČD 242 259 mit dem R 668 „Rožmberk“ in Veselí nad Lužnicí.


Blick in unser Abteil im A149 (CZ-ČD 51 54 39-41 107-4), Baujahr 1978.

Wir erreichten České Budějovice um 12:18 Uhr. Am Bahnsteig gegenüber stand bereits ČD 362 111 mit dem R 668 „Rožmberk“ nach Plzen hl.n. bereit.
Im Wagen 372, einem AB349 (CZ-ČD 51 54 39-41 007-4) Baujahr 1984, fanden wir ein freies Abteil. Mit 21 Minuten Verspätung erfolgte 12:25 Uhr die Abfahrt.


ČD 362 111 zog den R 668 „Rožmberk“ nach Plzen. Rechts stand der R 668 „Rožmberk“ aus Kostelec u Jihlavy.

Wir hielten die Verspätung konstant und erreichten 13:02 Uhr Ražice. Der Regen hatte endlich aufgehört und sollte auch nicht wiederkommen.
Ab jetzt waren wir wieder im Tagesplan, nächster Zug sollte der Os 8409 nach Tábor werden. ČD 842 006 wartete bereits am Bahnsteig.


Ražice mit ČD 362 111 und dem R 668 „Rožmberk“ sowie ČD 842 006 im Hintergrund.


Der Himmel zeigte sich noch grau, aber wenigstens hatte der Regen aufgehört.

Wir warteten noch den Anschluss auf den verspäteten R 667 ab und mit 11 Minuten Verspätung setzte sich der Triebwagen 13:32 Uhr in Bewegung.


Blick auf den abziehenden Regen.


Highlight der Strecke war die Fahrt über die angestaute Moldau der Orlík-Talsperre.


Empfangsgebäude von Božejovice.

Tábor erreichten wir nach 68 Kilometern 14:54 Uhr mit 10 Minuten Verspätung. Als nächstes Stand eine Fahrt auf der 24 Kilometer langen, letzten mit
1,5 kV Gleichspannung betriebenen Eisenbahnstrecke in Tschechien nach Bechyně auf dem Programm. Die Züge starten in Tábor vom Bahnhofsvorplatz.

An den Wochenenden von Juni bis September verkehrt mit der im Jahre 2016 betriebsfähig aufgearbeiteten ČD 100 003, Spitzname „Kleine Bobina“ und zwei
Balm-Wagen ein historischer Zug im normalen Reiseverkehr. Der Zug stand als Os 28414 bereit und mit 3 Minuten Verspätung erfolgte 15:09 Uhr die Abfahrt.


E422.0003 (100 003) ist mit dem Os 28414 nach Bechyně abfahrtbereit.


Blick in den BDpx050 (CZ-ČD 55 54 82-07 001-1) .


Blick auf Tábor.


Die Strecke schlängelt sich durch die Landschaft.

Mit 2 Minuten Verspätung erreichten wir 15:56 Uhr Bechyně. Auf der Hinfahrt war der Zug nur mäßig besetzt, teilweise waren wir allein im Wagen. Dies änderte
sich aber auf der Rückfahrt, der Zug war voll. Die Lok wurde schnell umgesetzt und pünktlich 16:02 Uhr fuhren wir als Os 28417 zurück nach Tábor.


E422.0003 (100 003) ist mit dem Os 28417 bereit für die Rückfahrt nach Tábor.


Blick zurück auf die Bechyňský most (Brücke von Bechyně),
einer kombinierte Eisenbahn- und Straßenbrücke über das Tal der Lužnice (Lainsitz)



Einfahrt in Tábor.

Pünktlich 16:49 Uhr erreichten wir Tábor. Uns bleib nicht viel Zeit, denn überpünktlich kam unser nächster Zug eingefahren. Für uns ging es wieder in Richtung Süden. Mit dem R 723 „Lužnice“ wollten wir nach České Velenice fahren. Mit ČD 362 116 übernahm eine Bekannte vom Vormittag die Bespannung des Zuges bis Veselí nad Lužnicí. Im Wagen 367, einem B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 833-4) Baujahr 1984, fanden wir ein freies Abteil.

Ich schaute mal wieder ins Můi Vlak und las bei unserem Zug, wie sollte es auch anders sein „außerordentliches Ereignis“. Es betraf aber zum Glück nicht uns, sondern in Roudná hatte die Lok des Os 8214 den Geist aufgegeben. Pünktlich 17:01 Uhr erfolgte die Abfahrt unseres Zuges.


ČD 362 116 „Leontýnka“ mit dem R 723 „Lužnice“ nach České Velenice.


Die „kleine Bobina“ wurde mit ihrem Zug bereits in Depot gebracht.

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2019 gibt es wieder durchgehende Rychlík von Praha nach České Velenice, welche in Veselí nad Lužnicí umgespannt werden. Wir erreichten pünktlich 17:22 Uhr den Bahnhof zum zweiten Mal an diesem Tag. Hier hatte der Zug nun 19 Minuten Aufenthalt. Dies reichte für ein
paar Fotos und 17:41 Uhr erfolgte, nachdem ČD 754 078 an den Zug gesetzt hatte, die pünktlich Abfahrt für die letzten 55 Kilometer nach České Velenice.


Das Empfangsgebäude von Veselí nad Lužnicí.


ČD 754 078 übernahm den Zug.


Zugkreuzung in Třeboň mit ČD 754 074 und dem R 704 „Lužnice“ nach Praha hl.n.. Am Rand stand 831 110 abgestellt.

Pünktlich 18:33 Uhr erreichten wir České Velenice und damit den südlichsten Punkt unserer Rundfahrt. Unser Aufenthalt dauerte auch hier nicht lange, denn wir wollten ja noch zurück nach Praha. So blieb eine halbe Stunde Zeit, um ČD 754 078 beim Rangieren zuzusehen. Kurz vor 19 Uhr kam dann unser nächster Zug eingefahren. Mit dem RegioPanther ČD 650 002 fuhren wir als Os 2166 weiter nach České Budějovice. Mit 2 Minuten Verspätung erfolgte 19:05 Uhr die Abfahrt.


Einfahrt von ČD 650 002 als Os 2165 aus České Budějovice. Wenig später fuhr er als Os 2166 dahin zurück.

Je näher wir České Budějovice kamen, je mehr riss der Himmel auf. Sollte ich heute doch noch zu einem Sonnenfoto kommen? Nach 50 Kilometern erreichten wir 19:53 Uhr mit 4 Minuten Verspätung České Budějovice. Am gleichen Bahnsteig stand bereits unser Anschluss nach Praha hl.n. bereit. Mit dem R 700 „Vltava“, gebildet komplett aus Bautzener UIC-Y Wagen, wollten wir die 169 Kilometer zurück in die Hauptstadt fahren.


ČD 362 115 sonnte sich mit dem R 700 nach Praha hl.n. im Abendlicht. Hinter den 6 Wagen des Rychlík ist ČD 650 002 zu sehen.



Im Wagen 367, einem B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 788-0) Baujahr 1983, fanden wir ein freies Abteil. Während der gesamten Rundfahrt hatten wir im Bautzener immer ein Abteil für uns allein und damit auch genügend Abstand zu anderen Reisenden gehabt. Pünktlich 20:08 Uhr erfolgte die Abfahrt in die untergehende Sonne.


Blick auf České Budějovice und den Blansker Wald (Blanský les).




Abendstimmung in Střezimíř.

Můi Vlak vermeldete noch ein außerordentliches Ereignis, welches aber ein Planmäßiges war. Auf Grund von Bauarbeiten entfiel der Halt in Praha-Vršovice
und der Zug verkehrte ab Praha-Hostivař über Praha-Malešice und Praha-Libeň. Mit 4 Minuten Verspätung fuhren wir 22:31 Uhr aus dem Süden kommend
von Norden in Praha hl.n. ein.

Trotz des holprigen Startes und des bis zum frühen Nachmittag doch bescheidenen Wetters war es noch ein schöner Rundfahrttag geworden. Ich habe mehr
als reichlich das gemacht, was ich in Tschechien am liebsten mache: Rychlík im alten Bautzener UIC-Y Wagen fahren. Insgesamt waren wir an diesem Tag
632 Kilometer für gerade einmal 4,90 € pro Person unterwegs. Für den letzten Tag unserer Rundfahrt vermeldete der Wetterbericht wieder Sonnenschein.

Weiter geht es im Teil 3.



   
© 2021, Stefan Fritzsch