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  24.07. - 27.07.2020 - [CZ] Mit Bardotka, Brille und Tochter durch Böhmen - Teil 1  



Nach der Rückkehr von der Rundfahrt mit meinem Vater Anfang Juli begann ich sofort mit der Planung einer weiteren Rundfahrt im gleichen Monat ins Nachbarland. Letztes Jahr hatte ich mit meiner Tochter eine erste größere Eisenbahnrundfahrt unternommen und es hatte uns beiden viel Spaß gemacht. Dies wollten wir dieses Jahr natürlich fortsetzen. Die Eisenbahn stand zwar im Vordergrund, aber wir wollten auch etwas die bereisten Gegenden erkunden. Zudem wollte ich meine
12-jährige Tochter nicht den ganzen Tag in den Zug setzen. So entstand eine 4 tägige Rundfahrt mit etwas Abwechslung.

24.07.2020

Ich traf mich mit meiner Tochter 13:50 Uhr im Chemnitzer Hauptbahnhof. Während sie von zu Hause mit der City-Bahn anreiste, war ich an diesem Tag noch
auf Arbeit. Aber gemäß dem Motto „Freitag um eins...“ verabschiedete ich mich rechtzeitig in Richtung Wochenende. Unser Tagesziel war Praha.

Mit dem pünktlichen RE 74019 aus Hof Hbf fuhren wir 14:04 Uhr bis Dresden Hbf, welchen wir 59 Minuten später erreichten. Ein kurzer Bahnsteigwechsel
und schon kam ČD 193 298 „Fidorka“ mit dem EC 175 „Berliner“ aus Berlin eingefahren. Im Zug waren viele Plätze frei und so fanden wir im Wagen 259,
einem Bmz245 (CZ-ČD 73 54 21-91 007-7), ein freies Abteil zur Elbseite. Pünktlich 15:10 Uhr erfolgte die Abfahrt. Wie genossen die Fahrt durch das Elbtal.




Personendampfer „Kurort Rathen“ bei Königstein.


Hřensko (Herrnskretschen)

Mit nur einem kurzen Stopp passierten wir ohne Probleme die Baustelle zwischen Schöna und Dolní Žleb. Mit der Einfahrt in Děčín hl.n. stand natürlich
der Wechsel des Wagens an. Im Speisewagen, einem WRmz815 (CZ-ČD 73 54 88-91 010-1), wollten wir uns bis Praha kulinarisch verwöhnen lassen.
Der Speisewagen war wie der Zug nicht einmal zur Hälfte besetzt und so hatten wir keine Probleme einen Platz zu finden.

Ich bestellte Lendenbraten mit Knödeln, meine Tochter entschied sich für das Schweinesteak mit gerösteten Zucchini, Spinat und Speck an Bratkartoffeln.
Zum Nachtisch gab es dann noch einen Palatschinken mit Schokosauce. Zusammen mit zwei Softdrinks und einem Wasser bezahlten wir 19,70 € (473 Kč).



Praha hl.n. erreichten wir nahezu pünktlich 17:38 Uhr. Als Fahrkarten hatten wir ein First-Minute-Europe der ČD für zusammen 603 Kč (22,79 Euro) genutzt.


ČD 193 298 „Fidorka“ nach der Ankunft in Praha hl.n. Der Zug machte hier Kopf…


…und fuhr als EC 283 bzw. ab Bratislava als RR 873 weiter bis Nové Zámky. ŽSSK 350 018 oblag die Traktion.

In der Nähe des Masarykovo nádraží hatte ich ein Hotelzimmer für die kommende Nacht gebucht. Wir brachten unsere Sachen auf das Zimmer und machten
uns anschließend auf einen abendlichen Bummel durch die Altstadt. Die Stadt war für einen Freitagabend im Juli spürbar leerer.


Gleise und Oberleitung stellen zumindest einen Bahnbezug her. Blick auf die Philosophische Fakultät der Karls-Universität.


Auf der Karlsbrücke hatte man für einen Freitagabend im Sommer ungewohnt viel Platz.

Nicht allzu spät waren wir wieder im Hotel, denn im Keller unseres Hotels befindet sich ein öffentliches Schwimmbad, welches man als Hotelgast kostenlos
nutzen konnte. So sprangen wir vor dem Schlafen gehen noch einmal ins kühle Nass.

25.07.2020

Der Tag begann mit blauen Himmel und Sonnenschein. Perfekte Voraussetzungen für eine Bahnfahrt. Kurz vor 8 Uhr machten wir uns auf den Weg zum Bahnhof.
Ich wollte einen neuen Versuch unternehmen, mit dem Sp 1596 „Cyklo Brdy“ zu fahren. Nicht nur wegen der Lok war der Zug interessant für mich.

Viel mehr als Loks interessieren mich Reisezugwagen, vor allem aus Bautzener, Görlitzer und Halberstädter Produktion bis Mitte der 1990er Jahre, sowie deren Modernisierungen und Umbauten. Während man 2020 in Tschechien immer noch in relativ originalen UIC-Y Wagen Reisen kann, sieht es bei den UIC-Z Wagen anders aus. Nachdem Ende der Produktion von UIC-Y Wagen lieferte der Waggonbau Bautzen ab Mitte der 1980er Jahre insgesamt 250 UIC-Z Wagen an die damalige ČSD aus. Diese unterschieden sich gegenüber den Wagen, die die DR aus Halberstadt bekam u.a. darin, dass sie mit Schwenkschiebetüren und acht Sitzplätzen pro Abteil in der 2. Klasse (außer 20 BRcm 1984 und 26 BDmeer 1988) ausgestattet waren.

Die nach der Trennung der Tschechoslowakei bei der ČD verbliebenen Wagen wurden ab 2010 zu ARmpee832, Bbdgmee236 und Bdmpee233 umgebaut. Neben einem erhaltenen BR(c)m wurde nur der letzte ausgelieferte UIC-Z Wagen, ein Halbgepäckwagen der damaligen Gattung BDmeer, nicht zu einem Bbdgmee236 umgebaut. Dieser Wagen wurde 2019 bei Pars Nova Šumperk hauptuntersucht und präsentiert sich trotz „Erblauung“ noch weitestgehend im Originalzustand. Eingesetzt wird der Wagen, bezeichnet als BDbmsee447, planmäßig am Wochenende im Sp 1596/1597 „Cyklo Brdy“ von Praha hl.n. nach Blatná und zurück. Wir mussten nicht lange warten bis die Bahnsteigangabe an der Anzeigetafel erschien und der Zug, bespannt mit ČD 749 107, am 1. Bahnsteig bereitgestellt wurde.


Einfahrt von ČD 749 107 mit dem Sp 1596 „Cyklo Brdy“ nach Blatná in Praha hl.n.. Der BDbmsee447 hing am Zugschluss.


Blick in unser Abteil im BDbmsee447 (CZ-ČD 51 54 82-70 100-7). Der Wagen wurde schon mit 6 Sitzen pro Abteil 1988 ausgeliefert.



Der Wagen war im Zugverband und wir bekamen ein Abteil, was wir für die Fahrt für uns behielten. Die Abteile neben uns bezogen tschechische und britische Eisenbahnfreunde. Pünktlich 8:36 Uhr fuhr der Zug ab und ich war happy, dass es nun im dritten Versuch, dazu bei herrlichem Wetter, endlich geklappt hatte.


Fahrt über die Moldau. Die Uhr zeigte 8:41 Uhr.


Das Stellwerk 1 von Karlštejn stellt auch schon ein Kleinod dar.


Die Fahrt führte u.a. entlang der Berounka.


Ab Zdice ging es dann über die eingleisigen Strecken 200 und 203 nach Blatná.



Wir kamen relativ gut durch die Baustelle um Praha-Radotín und mussten in Zdice 15 Minuten auf den Arriva-Gegenzug aus České Budějovice warten.
Die Strecke säumten immer wieder Fotografen. Im Internet konnte ich dann auch ein Foto des Zuges hinter Zdice finden.

Nach 123 Kilometern erreichten wir 11:11 Uhr, mit 9 Minuten Verspätung, Blatná. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 48 km/h konnten wir die Fahrt
am offenen Fenster ausgiebig genießen. Die Bardotka setzte für die Rückfahrt noch um den Zug. Diese erfolgte aber erst 16:53 Uhr.


Blick auf den Zug nach der Ankunft in Blatná. Die Schlagermusik auf dem Führerstand war lauter als der Motor der Lok.


Der BDbmsee447 (CZ-ČD 51 54 82-70 100-7). Der letzte gelieferte und einer von zwei (weitestgehend) original erhaltenen Bautzener UIC-Z Wagen der ČD.


Nebenbahnidylle mit ČD 749 107 und 810 411.

Bis zu unserer Weiterfahrt machten wir an einem nahgelegenen See ein kleines Mittagspicknick.

Weiter geht es im Teil 2.



   
© 2020, Stefan Fritzsch