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  24.07. - 27.07.2020 - [CZ] Mit Bardotka, Brille und Tochter durch Böhmen - Teil 3  



25.07.2020

Der Tag begann erst einmal regnerisch. Ich beschloss den Tagesplan etwas zu ändern. Eigentlich wollten wir kurz nach 9 Uhr mit dem Ex 360 „Západní express“
nach Domažlice fahren, um uns etwas die Stadt auszuschauen. Ich entschied, dies ausfallen zu lassen und stattdessen den Os eine Stunde später zu nehmen.
Dadurch konnte meine Tochter länger schlafen und anschließend frühstückten wir in Ruhe im Hotel. So fuhren wir erst 10:18 Uhr mit dem Os 7410 nach Domažlice.

Am Fahrkartenschalter kaufte ich für uns ich ein Skupinové Jednodenní přestupní jízdenka Turista Plzeňskem (Gruppentagesticket Tourist Plzeň) für 250 Kč
(9,62 €). Dieses Ticket gibt es seit dem 1.7.2020 und es löste das Skupinová víkendová jízdenka region Plzeňský (Wochenendgruppenticket Region Plzeň)
der ČD ab. Zudem gilt es auch an Wochentagen. Da das Ticket ab Kauf 24 Stunden gültig ist, konnten wir es am nächsten Tag bis 10 Uhr ebenfalls nutzen.


ČD 844 002 als Os 7410 nach Domažlice město in Plzeň hl.n..

Die Abfahrt erfolgte pünktlich und 69 Minuten und 59 Kilometer später hatten wir Domažlice erreicht. Hier hieß es schnell umsteigen, denn bereits 3 Minuten später fuhr der Triebwagen nach Klatovy ab. Pünktlich 11:30 Uhr setzte sich ČD 810 369 als Os 17553 in Bewegung. Ziel des Tages war der Böhmerwald und die Strecke nach Železná Ruda. Der Wetterbericht meinte, dass bis zu unserer Ankunft im Böhmerwald die Sonnen scheinen sollte. Der Himmel sah nicht danach aus.


Umstieg in Domažlice in den Os 17553 nach Klatovy.


Der Böhmerwald kam langsam näher.

Nach 40 Kilometern erreichten wir 12:21 Uhr pünktlich Klatovy. Hier hieß es noch einmal umsteigen. Mit dem Os 7544 wollten wir bis Špičák fahren.
Die Abfahrt des Os 7544 verspätete sich um 10 Minuten, da wir noch auf den R 770 „Berounka“ aus Praha warteten. Dieser brachte noch viele Umsteiger mit,
so dass die RegioNova mehr als gut gefüllt war. Trotzdem blieben wir in dem Bereich hinter dem Beiwagen-Führerstand für uns. Um 12:50 Uhr erfolgte die Abfahrt.


ČD 814 014 als Os 7544 nach Železná Ruda-Alžbětín und ČD 810 359 als Os 17553 aus Domažlice in Klatovy.

Je mehr wir ins Gebirge kamen, desto größer wurden die Wolkenlücken am Himmel und die Sonne kam zum Vorschein. Der Wetterbericht sollte recht behalten.
Die RegioNova quälte sich die Strecke hinauf. Diese steigt von Klatovy bis Špičák auf 42 Kilometern um 440 Höhenmeter.


Blick auf Dešenice.


Die Talsperre Nýrsko.



Obwohl wir nicht außerplanmäßig hielten, sammelte der Zug immer mehr Verspätungsminuten. Der Triebwagen war wohl einfach zu schwach motorisiert für die vielen Reisenden und die steile Strecke. Mit 18 Minuten Verspätung erreichten wir 13:45 Uhr Špičák und stiegen aus. Unser nächster Zug fuhr erst am frühen Abend.

Die Zeit bis dahin wollten wir mit einer Wanderung verbringen. Mit dem Sessellift fuhren wir in der Nähe des Bahnhofes auf den 1202 m n.m. hohen
gleichnamigen Berg. Vom Aussichtsturm auf dem Berg bot sich ein herrlicher Blick über die Umgebung. Von Westen zogen leider wieder dicke Wolken auf.


Aussichtsturn auf dem 1202 m n.m. hohen Berg Špičák (Spitzberg).


Blick über die Talsperre Nýrsko in Richtung Klatovy.


Am Großen Arber, dem mit 1.455 m n.m höchsten Berg des Bayerischen Waldes / Böhmerwaldes hingen die Wolken fest.

Anschließend wanderten wir über 8,5 Kilometer hinab zum Bahnhof nach Železná Ruda-Alžbětín. Dort wartete mein persönliches Tagesziel.


Die Wanderung führte am Čertovo jezero (Teufelssee) vorbei.


Das Empfangsgebäude von Železná Ruda-Alžbětín / Bayerisch Eisenstein. In Gebäudemitte verläuft die Landesgrenze.

Kurz vor 17 Uhr erreichten wir, gerade rechtzeitig vor dem einsetzenden Regen, den Bahnhof von Železná Ruda-Alžbětín / Bayerisch Eisenstein. Am Bahnsteig
stand bereits unser Zug bereit. Mit dem Sp 1707 wollten wir wieder nach Plzeň fahren. Der Zug kam als Sp 1702 morgens 9 Uhr aus Plzeň und verblieb
bis zu seiner Rückfahrt 17:40 in Železná Ruda-Alžbětín. Zu meiner Freude war die „Blitzbrille“ ČD 754 057 für die Leistung eingeteilt.

Das Zugpaar Sp 1702/1707 ist im Jahr 2020 die einzige Möglichkeit, die Strecke planmäßig mit einem Bautzener UIC-Y Wagen zu bereisen. Neben
einem Ds952 aus Bautzen und den drei Bdt279 von Vagónka Studénka hing am Zugschluss ein Bautzener Halbgepäckwagen der Gattung BDs450
(CZ-ČD 50 54 82-40 107-0). Dieser sollte mit Baujahr 1975 der älteste UIC-Y Wagen sein, mit dem ich bisher in Tschechien gereist war.


ČD 754 057 mit dem Sp 1707 nach Plzeň hl.n. in Železná Ruda-Alžbětín.


Der BDs450 (CZ-ČD 50 54 82-40 107-0). Stolze 45 Jahre alt und noch immer im planmäßigen Einsatz.



Es war zwar noch genügend Zeit, wir stiegen aber schon ein und machten es uns gemütlich. Irgendwann tauchten dann auch Lokführer und Zugbegleiterin auf. Pünktlich 17:40 Uhr erfolgte die Abfahrt. Der Zug war eher mäßig besetzt, ab Špičák hatten wir den Wagen bis Plzeň für uns allein.


Zugkreuzung in Špičák mit ČD 814 014 als Os 7548 nach Železná Ruda-Alžbětín.


Einfahrt in den 1747 m langen Špičáký tunel (Spitzbergtunnel). Bis 2007 der längste Eisenbahntunnel Tschechiens.




Einfahrt in Klatovy. ČD 362 033 war mit dem R 760 „Berounka“ aus Praha gekommen.

In Klatovy hatte der Zug planmäßig knapp 10 Minuten Aufenthalt. Zeit genug, ein Foto von der Lok zu machen. Ich zählte im ganzen Zug 22 Reisende.
Der verspätete Os 17518 aus Horaž‘ovice brachte dann noch einen ganzen Schwung Umsteiger mit.




Einfahrt in Plzeň hl.n..

Nach 97 Kilometern erreichten wir 19:39 Uhr mit 3 Minuten Verspätung Plzeň hl.n.. Da wir etwas Knülle und hungrig waren und es uns am Vortag gut
geschmeckt hatte entschieden wir, gleich wieder gegenüber vom Hotel einzukehren. Am nächsten Tag stand die eigentlich wenig spektakuläre Heimfahrt an.

Weiter geht es im Teil 4.



   
© 2021, Stefan Fritzsch