bahnsachse.de
  16.07. - 18.07.2022 - [DE][CZ] Ein feinstaublastiger Sommerausflug - Teil 2  



17.07.2022

Nach dem Frühstück im Hotel machten wir uns kurz vor 8 Uhr auf den kurzen Weg mit der Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Als erster Programmpunkt des Tages stand bis zum frühen Nachmittag die Fahrt durch das Sázavatal über Čerčany, Zruč und Ledeč nad Sázavou nach Světlá nad Sázavou auf dem Programm.

Unter der Woche verkehrten auf der Strecke nur Triebwagen unterschiedlicher Bauarten. Am Wochenende gab es aber auch lokbespannte Züge auf einem
Großteil der Strecke. Als ersten Zug des Tages wählten wir den Os 9055 von Praha hl.n. nach Čerčany. Der Zug wurde von einer Taucherbrille der Baureihe 754 bespannt und bestand aus vier ČD Bdmteeo296 Doppelstockwagen. Die Wagen wurden 1976 in Görlitz gebaut und das letzte Mal 2016 bei Pars nova modernisiert. Sie machten leider einen ungepflegten Eindruck. Auf Grund von Bauarbeiten verkehrte der Zug an diesem Wochenende über Praha-Libeň nach Praha-Krč.


ČD 754 045 mit dem Os 9055 in Praha hl.n. Auf Grund von Bauarbeiten ging es auf der Nordseite aus dem Hauptbahnhof.

Für unsere Fahrt wählten wir den letzten Wagen (CZ-ČD 50 54 26-18 141-6). Hier gab es die einzige Sitzgruppe im Zwischengeschoss in Fahrtrichtung rechts. Zudem hatten wir auch einen Blick zurück auf die Strecke. Dem Zug stiegen nur sehr wenige Reisende zu. Dies änderte sich auch auf der Fahrt kaum. Teilweise waren wir allein im Wagen. Pünktlich 08:25 Uhr erfolgte die Abfahrt des Zuges. Durch die Umleitung war bereits eine Verspätung von bis zu 10 Minuten gemeldet.


Unser Platz für die nächsten 71 Kilometer.


Tschüss Praha. Ein letzter Blick bevor der Zug im Tunnel verschwand.

Durch die Umleitung hatten wir zu Beginn eine schöne Stadtrundfahrt durch Praha. Vorbei ging es an den Abstellanlagen der České Dráhy.
Der Halt in Praha-Kačerov entfielt, da der Zug im Mittelgleis, welches keinen Bahnsteig hat, fuhr. Dies führte zu verwunderten Blicken der Reisenden am Bahnsteig.


Blick auf das Depot Praha-Jih der České Dráhy.

Durch die Umleitung hatten wir bis Praha-Krč eine Verspätung von 13 Minuten bekommen. Damit war es auch mit der Pünktlichkeit für den restlichen Tag vorbei.

Hinter Davle, an der Mündung der Sázava in die Moldau, biegt die Strecke in das Flusstal ab und verläuft dann größtenteils oberhalb des Flusses.


Blick zurück auf den Verlauf der Strecke.


Die Strecke bis Čerčany verläuft größtenteils oberhalb des Flusses.




Ankunft in Čerčany.

Mit 12 Minuten Verspätung erreichten wir 10:19 Uhr Čerčany. Hier hatten wir einen längeren Aufenthalt. Wir nutzen diese Zeit, um uns im Supermarkt
vor dem Bahnhof mit Proviant einzudecken. Zurück auf dem Bahnhof wurde unser nächster Zug gerade bereitgestellt.

Weiter sollte die Reise im Sázavatal mit dem Os 9215 nach Ledeč nad Sázavou gehen. Für die 74 Kilometer war eine planmäßige Reisezeit von knapp
2 ½ Stunden angesetzt. Wie auf dem vorherigen Streckabschnitt verkehrten unter der Woche hier nur Triebwagen. Am Wochenende gab es zwei lokbespannte Zugpaare. Leider wurden dieses Züge aus Wagen der Gattung ČD Bdmtee281 gebildet. Diese, von 1988 bis 1990 in Bautzen hergestellten und als „Honeckers“
bezeichnete Wagen, verfügen leider nur über Klappfenster, welche ein „Nase in den Fahrtwind halten“ unmöglich machen. Traktioniert wurden sie von ČD 754 049.


ČD 754 049 war mit dem Os 9215 nach Ledeč nad Sázavou abfahrbereit.


Das innere des ČD Bdmtee281 (CZ-ČD 50 54 22-44 098-0). Bequeme Bänke, bekloppte Fenster.

Wir wählten wieder den letzten Wagen. Leider war bis Zruč nad Sázavou die Sicht nach hinten versperrt, da ČD 810 621 am Zugschluss mit überführt wurde.

Unsere Abfahrt verzögerte sich noch, da wir auf den verspäteten Os 9057 aus Praha hl.n. warteten. Als dieser endlich ankam, stiegen nur 10 Reisende und keine Umsteiger aus. Mit 19 Minuten Verspätung erfolgte 11:28 Uhr die Abfahrt unseres sehr gering besetzten Zuges. Auf den ersten Kilometern waren wir allein im Wagen.


Einfahrt des verspäteten Os 9057 mit ČD 749 264 in Čerčany.


In Rataje nad Sázavou zweigt die Strecke nach Kolín ab.


Auch durch die Klappfenster gelang mir ein Bild zur Zugspitze.

Leider schaffte es der Zug nicht wirklich Verspätung abzubauen, da er u.a. an jedem der 25 Bedarfshalte anhielt. Auch die im Fahrplan vorgesehenen etwas längeren Aufenthalte in Sázava, Ledečko und Zruč nad Sázavou halfen nicht. Ich wurde das erste Mal etwas nervös, ob wir die nächsten Anschlüsse erreichen?

In Zruč nad Sázavou wurde dann die Sicht nach hinten endlich frei, da ČD 810 621 hier abgekuppelt wurde.


Ausfahrt in Zruč nad Sázavou. ČD 810 621 blieb hier zurück. Der Blick fiel auf das bekannte Schloss. Rechts die Strecke nach Kutná Hora.


Seit Praha waren wir unaufhörlich immer dem Lauf der Sázava gefolgt.

Mit 14 Minuten Verspätung erreichten wir 13:44 Uhr Ledeč nad Sázavou. Hier hieß es schnell in den Os 24863 nach Havlíčkův Brod umzusteigen, denn bereits
zwei Minuten später erfolgte die Abfahrt der beiden Stadler Regio-Shuttle RS 1. Durch die Verspätung fielen meine geplanten „Fotostopps“ des Os 9215
während der längeren Aufenthalte in den Unterwegsbahnhöfen leider aus. Ein schnelles Bild in Ledeč nad Sázavou musste aber noch sein.


ČD 754 049 mit dem Os 9215 nach der Ankunft in Ledeč nad Sázavou. Dahinter stand der Os 24863 nach Havlíčkův Brod.

Der Os 24863 erreichte nach 16 Kilometern mit 7 Minuten Verspätung 14:12 Uhr Světlá nad Sázavou. Da sich der Rychlík, den wir als nächstes nutzen wollten,
auch etwas verspätete, war ich erst einmal wieder etwas entspannt. Wir warteten mit vielen anderen Reisenden auf die Ankunft des R 96982 aus Brno nach Praha.


ČD 841 014 und 841 001 als Os 24863 in Světlá nad Sázavou.

Die Züge der Linie R 9 zwischen Brno und Praha haben 2022 mit dem Halbgepäckwagen planmäßig nur noch einen alten Bautzener Wagen im Verband.
Als Wagen 369 lief im R 96982 „Vysočina“ aber statt eines klimatisieren Bee238 eine alter B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 915-9, Bautzen 1985) mit. Wir bekamen
in ihm zwei Sitzplätze am Gang, den ich aber selbst fast nicht nutzte, da ich lieber am offenen Gangfenster stand. Mit 3 Minuten Verspätung folgte 14:19 Uhr
die Abfahrt des Zuges in Světlá nad Sázavou. In Čáslav und Kutná Hora wurde der Zug dann richtig voll, die Reisenden standen im Gang.


Durchfahrt durch Vlkaneč.

Der Zug behielt seine 3 Minuten Verspätung und so erreichten wir 15:12 Uhr Kolín und stiegen nach 58 Kilometern aus.


ČD 362 168 hatten den R 96982 „Vysočina“ von Brno dolná nádraží nach Praha-Vršovice bespannt.

Nächstes Ziel der Reise sollte Hradec Králové sein, wo wir spätestens 17 Uhr ankommen sollten. Es gab für uns zwei Varianten, weswegen ich vorab auch noch
keine Tickets gekauft hatte. Die Baustelle auf dem Hauptkorridor sorgte teilweise für größere Verspätungen, daher ließ ich mir die Optionen offen. Geplant hatte ich
15:30 Uhr mit dem R 893 bis Pardubice zu fahren und von da mit dem Sp 1480 weiter nach Hradec Králové hl.n.. Ein Blick in Můi Vlak zeigte, dass der R 893 schon
25 Minuten Verspätung hatte und sich aktuell nicht bewegte, denn die Verspätung wurde minütlich größer. Die Route wurde mir zu unsicher, also entschieden wir
uns für Variante B und stiegen in den Os 5832, mit welchen wir bis Poděbrady fahren wollten. Da sollte der Umstieg in den R 949 nach Hradec Králové erfolgen.

Der CityElefant fuhr pünktlich 15:32 Uhr in Kolín ab und bis Velký Osek lief alles normal. Dann kamen wir das erste Mal vor dem Bahnhof zum Stehen und schlichen gefühlt anschließend von Halt zu Halt. Wir fuhren wahrscheinlich hinter einem langsamen Güterzug. Während der R 949 weiterhin pünktlich war, sammelten wir kräftig Verspätungsminuten. Unser eigentlicher 14-minütiger Übergang schrumpfte immer weiter zusammen. Schließlich erreichten wir 16:00 Uhr mit 14 Minuten Verspätung nach 16 Kilometern Poděbrady. Der R 949 hatte zum Glück zwischenzeitlich auch ein paar Minuten gesammelt, so dass wir noch entspannt umsteigen konnten.


Einfahrt von ČD 162 012 mit dem R 949 „Hradečan“ von Praha hl.n. nach Hradec Králové hl.n. in Poděbrady. Im Hintergrund fuhr LeoExpress nach Praha.

Der Zug war sehr gut gefüllt, fast alle Plätze waren belegt. Im Wagen 369, einem Bmz234 (CZ-ČD 51 54 21-70 504-4) fanden wir für meinen Vater noch einen Sitzplatz, während ich mich für die Fahrt im Gang am Übersetzfenster entschied. Mit 11 Minuten Verspätung erfolgte 16:11 Uhr die Abfahrt in Poděbrady.

Im Zug kaufte ich in Můi Vlak noch ein Ticket von Chlumec nad Cidlinou bis Hradec Králové hl.n. für 53 Kč (2,18 €) für einen Erwachsenen und 26 Kč (1,07 €) für einen Rentner. Bis Chlumec nad Cidlinou hatten wir von Praha ein Skupinová víkendová jízdenka region Středočeský (Wochenendgruppenticket Region Mittelböhmen) genutzt. Auf Grund ausreichender Bonuspunkte im ČD-Onlineshop hatte ich dafür nichts bezahlt, wir waren seit dem Morgen kostenlos unterwegs.


Chlumec nad Cidlinou mit dem Os 5211 nach Hradec Králové hl.n., ČD 843 009 als Os 5717 nach Stará Paka und ČD 162 038 mit dem R 924 nach Praha hl.n..


Blick auf das Riesengebirge.

Der Zug konnte noch etwas Verspätung abbauen und so erreichten wir fünf Minuten nach Plan 16:55 Uhr Hradec Králové hl.n.. Weiter wollten wir nach Turnov,
aber nicht mit dem Rychlík von Arriva über Stará Paka sondern mit dem Os 5520 der ČD über Jičin fahren. Wir wechselten den Bahnsteig, stiegen in die
RegioNova ein und ich kaufte im Můi Vlak noch eine Fahrkarte für 129 Kč (5,31 €) für einen Erwachsenen und 64 Kč (2,64 €) für einen Rentner.


ČD 814 053 „Lucinka“ als Os 5520 nach Turnov. Der Zug war der R 942 „Hradečan“ nach Praha hl.n.

Pünktlich 17:04 Uhr erfolgte die Abfahrt für die 82 Kilometer lange Etappe. Bei der Fahrkartenkontrolle wurden wir etwas komisch angeschaut, dass wir die gesamte Strecke nach Turnov mit diesem Zug fuhren. Bis Ostroměř waren wir pünktlich, dann auf Grund eines verspäteten Gegenzug wieder nach Plan unterwegs.


Einfahrt von ČD 843 011 als Sp 1816 von Trutnov hl.n. nach Kolín in Ostroměř.


Nebenbahnidylle in Libuň mit einer interessanten Bahnsteiguhr.

Auf unserer Fahrt kamen wir auch durch den Ort Železnice, deutsch Eisenstadtel, wörtlich übersetzt aber Eisenbahn. Bis ich es realisiert hatte waren wir abgefahren.


Die Ruine der Burg Trosky bei Rovensko pod Troskami.

Für die Einfahrt in Turnov aus Richtung Jičin fuhr der Zug erst einmal am Bahnhof vorbei, um dann rückwärts an dem Bahnsteig zu drücken. Dies ist nicht der einzige Bahnhof in Tschechien wo dies so ist und ich frage mich immer, wer hat damals so etwas geplant? Mit fünfminütiger Verspätung erreichen wir 19:20 Uhr Turnov. An den Bahnsteigen warteten bereits die Umsteigeverbindungen. Für uns ging es mit dem R 1072 von Arriva weiter nach Liberec.


Einfahrt in Turnov mit ARR 845 319 als R 1072 nach Liberec, ARR 845 204 als R 1154 nach Tanvald und ČD 814 046 als 9577 nach Mladá Boleslav.

Der Zug war gut besetzt. Die Fahrkarten bis Liberec hatte ich vorab Online bei Arriva für 48 Kč (1,91 €) für einen Erwachsenen und 24 Kč (0,95 €) für einen
Rentner inkl. Sitzplatzreservierung gekauft. Die Reservierung war nicht ausgeschildert und die Plätze von einer Familie besetzt. Da direkt daneben zwei Plätze
für uns frei waren verzichte ich darauf, die Familie von ihren Plätzen zu vertreiben. Ich finde es nicht gut, wenn reservierte Sitze nicht im Zug angezeigt werden.

Mit 3 Minuten Verspätung erfolgte 19:23 Uhr die Abfahrt des Zuges in Turnov. Vor uns lagen die letzten 38 Kilometer bis Liberec für diesen Tag.
Der Zug konnte die Verspätung wieder aufholen, kam aber in Jeřmanice auf Grund eines verspäteten Gegenzuges länger zum Stehen und erreichte
Liberec 19:59 Uhr mit sechsminütiger Verspätung. Es war unsere erste Fahrt mit Arriva in Tschechien gewesen.


ARR 845 319 nach der Ankunft aus Pardubice in Liberec.

Insgesamt waren wir an diesem Tag 414 Kilometer unterwegs gewesen. Mit so vielen Verspätungsminuten hatten wir in Tschechien bis jetzt noch nie zu tun.
Für die kommende Nacht hatte ich ein Hotel in Bahnhofsnähe reserviert. Wie ließen den Tag beim Abendessen ausklingen.

Weiter geht es im Teil 3.



   
© 2024, Stefan Fritzsch