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  30.08.2022 - [DE] Mit dem 9-Euro-Ticket zur Thüringer Bergbahn  



Zum Ende des 9-Euro-Ticket wollten ich mit meinen Eltern noch einmal einen Tagesausflug zu einer Bahn unternehmen, welche wir noch nie besucht hatten.

Am vorletzten Tag des Tickets trafen wir bei schönstem Spätsommerwetter kurz nach 7 Uhr auf dem Bahnsteig in Burgstädt ein, um 07:13 Uhr mit dem RE 74162 das kurze Stück nach Chemnitz Hbf zu fahren. Nach einem fünfmündigen Aufenthalt setzten wir in Chemnitz unsere Reise 07:30 Uhr mit der RB 74046 in Richtung Glauchau fort. Glauchau erreichten wir pünktlich 08:02 und hatten direkten Anschluss an den RE 56076 in Richtung Erfurt Hbf. Der Triebwagen war bereits, vor allem mit ausflugslustigen Rentnern, sehr gut besetzt, so dass sich der Kundenbetreuer kurz vor der Abfahrt dazu entschied, die 1. Klasse für alle Reisenden freizugeben. Wir nutzen die Möglichkeit zusammen zu sitzen und wechselten dahin.

Pünktlich 08:07 Uhr erfolgte die Abfahrt in Glauchau. In Gössnitz war es aber schon mit der Pünktlichkeit vorbei, da wir auf die verspäteten S-Bahnen aus
Zwickau und Halle (Saale) warteten. So standen wir in Gössnitz unsere Zeit ab, während unser nächster Anschluss in Gera Süd immer mehr ins Wanken geriet.
Wir hätten in Gera Süd planmäßig nur 8 Minuten Übergang gehabt. Nachdem unser Triebwagen sich endlich wieder in Bewegung gesetzt hatte,
erkundigte sich der wirklich engagierte Kundenbetreuer nach den möglichen Anschlusswünschen bei den Reisenden und kurz vor Gera kam dann
auch die Info, dass unser Anschluss gesichert sei. Erleichterung machte sich bei mir kurz breit.

Mit 14 Minuten Verspätung erreichten wir 09:10 Uhr Gera Süd und stiegen aus. Von unserem Anschluss war noch nichts zu sehen.
Durch die begrenzte Infrastruktur musste der Zug aus Glauchau erst nach Gera Hbf fahren, bevor unser Anschlusszug da losfahren konnten.


DB 612 032 hatte uns von Glauchau nach Gera Süd gebracht und machte sich auf den Weg weiter nach Erfurt Hbf.

Nächste Etappe unserer Reise war die EB 80841 der Erfurter Bahn aus Leipzig nach Saalfeld (Saale). Mit mittlerweile 12 Minuten Verspätung kam der Zug in
Gera Süd eingefahren und setzte seine Reise 09:16 Uhr fort. Viele Reisende aus dem Zug aus Glauchau wechselten mit uns in diesen Zug.


EB 650 268 und ein weiterer RS1 der Erfurter Bahn bei der Einfahrt in Gera Süd.

Direkt war unser nächster Anschluss unserer Rundreise in Gefahr, denn in Saalfeld sollte unser planmäßiger Übergang 14 Minuten betragen.
Da der Zug planmäßig in Triptis 4 Minuten Kreuzungsaufenthalt hatte, konnte durch einen kürzeren Stopp unsere Verspätung etwas minimiert werden
und wir erreichten Saalfeld (Saale) nach 65 km mit noch 10 Minuten Verspätung um 10:08 Uhr.

Nach einem flotten Bahnsteigwechsel fuhren wir bereits 10:12 Uhr mit der EB 80984 von Saalfeld (Saale) wieder ab. Den Zug nutzen wir für ein kurzes Stück und erreichten 13 Minuten später Rottenbach. In Rottenbach beginnt die Schwarzatalbahn nach Katzhütte und so hieß es schon wieder Umsteigen an diesem Tag.

Da wir im Zug von Saalfeld (Saale) nach Rottenbach nur einen Stehplatz an der Tür bekommen hatten, hatten wir beim Umstieg in Rottenbach dann aber
Pole-Position auf einen Sitzplatz für den Triebwagen in Richtung Katzhütte, welche auch belohnt wurde.


Umstieg in Rottenbach. DB 641 020 steht als RB 29879 nach Katzhütte bereit, während EB 650 410 als EB 80984 nach Erfurt auf den Gegenzug wartete.

Auf der Schwarzatalbahn kommen Triebwagen der Bauart Alstom Coradia A TER, welche den Spitznamen Wal(fisch) tragen, zum Einsatz.
Die Strecke wird zusammen mit der Oberweißbacher Bergbahn seit 2002 von der DB RegioNetz, Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn betrieben.
Seit 2020 werden Strecken zusammen als Thüringer Bergbahn vermarktet.

Die Abfahrt in Rottenbach erfolgte pünktlich 10:41 Uhr und 14 Kilometer und 24 Minuten später war Obstfelderschmiede, der Ausgangspunkt der Oberweißbacher Bergbahn erreicht. Diese verkehrte immer zur vollen und halben Stunde und so hieß es erst einmal mit vielen anderen Reisenden 25 Minuten anstellen. Die Anzahl der Reisenden war für einen Dienstag schon beachtlich, der Personenwagen der Standseilbahn wurde gefühlt bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Mitarbeiterin der Standseilbahn brachte es humorvoll auf den Punkt: „Na, alle noch einmal schnell mit dem 9-Euro-Ticket vor dem Ende hier mitfahren bevor es vorbei ist.“.


Der Personenwagen der Standseilbahn in der Talstation Obstfelderschmiede.

Die Fahrten der Standseilbahn haben offizielle Nummern im Kursbuch und so fuhren wir 11:30 Uhr mit der RB 29284 im Personenwagen zur Bergstation Lichtenhain. Die Strecke hat eine Länge von 1,351 km und überwindet einen Höhenunterschied von 323 m. Die Fahrzeit betrug 18 Minuten.

Die Bahn wurde 1923 eröffnet und diente vor allem dazu, die auf der Hochebene gelegenen Ortschaften Lichtenhain, Oberweißbach, Dressbach und Cursdorf besser an das Verkehrsnetz anzubinden. Aus wirtschaftlichen und topografischen Gründen entschied man sich für eine Kombination aus Standseil- und Adhäsionsbahn (Flachstrecke). Die Spurweite der Standseilbahn beträgt dabei 1.800 Millimeter, die der Adhäsionsstrecke Normalspur.

Auf der Standseilbahn kommen ein Personenwagen sowie eine Güterbühne zum Einsatz, auf welcher entweder ein geschlossener Personenwagen der
ehemaligen Schleizer Kleinbahn oder ein offener Cabriowagen aufgesetzt sind. Ich hatte Glück und konnte am offenen Fenster zur Talseite stehen.


Wie verließen die Talstation Obstfelderschmiede. Links die Drehscheibe zum Fahrzeugaustausch mit der Adhäsionsbahn auf einer speziellen Güterbühne,
auf welcher bis 1966 auch Güterwagen bis zu einer Masse von 27 Tonnen befördert wurden.



In Streckenmitte befindet sich die Ausweichstelle. Auf der Güterbühne war der Cabriowagen aufgesetzt.


Wir hatten das Schwarzatal verlassen und die Berststation Lichtenhain gleich erreicht.

Die Bergstation Lichtenhain ist Ausgangpunkt der 2,635 km langen normalspurigen Adhäsionsstrecke nach Cursdorf. Der Umstieg von der Standseilbahn ist
direkt möglich, der kurze Bahnsteig reichte aber kaum für die vielen Reisenden aus.

Die Adhäsionsstrecke ist elektrifiziert und wird mit einer Spannung von 600 Volt Gleichstrom betrieben. Die auf der Strecke eingesetzten drei Triebwagen wurden 1982 und 1984 im Raw Schöneweide mit Serienbauteilen der Berliner S-Bahn neu gebaut und haben daher eine starke Ähnlichkeit zu diesen. Der Triebwagen
279 205 wurde 2016 zum als „Olitätenwagen“ mit Glasdach, offenen Seitenfenstern und quer zur Fahrtrichtung angeordneten Sitzbänken umgebaut.


Einfahrt von DB 279 201 und 279 205 in Lichtenhain.

Wir nahmen im „Olitätenwagen“ Platz und machten uns 11:59 Uhr als RB 29824 auf die achtminütige Reise nach Cursdorf.



Unser Aufenthalt in Cursdorf sollte aber nur sieben Minuten betragen, denn wir setzten unsere Rundfahrt direkt fort.
Als RB 29927 fuhren wir 12:14 Uhr wieder zurück zur Station Lichtenhain.


DB 279 201 und 279 205 als RB 29927 nach Lichtenhain in Cursdorf.


Blick in den „Olitätenwagen“ 279 205. Dieser widmet sich ganz dem Thema Kräuter und Naturheilmittel.


Auf dem Rückweg nach Lichtenhain.

Zurück in Lichtenhain waren wir 12:22 Uhr und stiegen direkt in die Standseilbahn zurück nach Obstfelderschmiede um.
Bei der Talfahrt konnten wir nun mit dem Cabriowagen mitfahren. Der Wagen setzte sich 12:30 Uhr als RB 29827 in Bewegung.


Blick von der Standseilbahn auf die Triebwagen DB 479 201 und 479 205, welche sich gerade wieder auf den Weg nach Cursdorf machten
und dabei die Drehscheibe für den Fahrzeugaustausch in der Bergstation passierten.



Blick zurück auf die Bergstation Lichtenhain.


In der Ausweichstelle trafen wir auf den wieder rappelvollen Personenwagen.


Ankunft nach knapp 18 Minuten Fahrt in der Talstation Obstfelderschmiede.

In der Talstation wartete schon die nächste Traube Menschen auf die Beförderung nach oben. Ich denke, 2 Tage später ist hier die totale Ruhe eingekehrt.
Wir setzten unsere Reise ohne langen Aufenthalt direkt 12:53 Uhr mit der RB 29882 zurück nach Rottenbach fort.


Die Talstation Obstfelderschmiede. Direkt davor verläuft die Schwarzatalbahn.


Einfahrt von DB 641 012 als RB 29882 von Katzhütte nach Rottenbach in Obstfelderschmiede.

Rottenbach erreichten wir pünktlich 13:16 Uhr. Ab Rottenbach wählten wir nicht den gleichen Weg wie auf der Hinfahrt zurück nach Chemnitz, es sollte ja eine Rundfahrt werden. Lange Aufenthalte waren aber nicht eingeplant. So saßen wir bereits 12 Minuten später im nächsten Zug. Mit der EB 80990 fuhren wir 13:28 Uhr über Arnstadt weiter nach Erfurt Hbf. Mit EB 650 410 war dies der gleiche Triebwagen, mit welchen wir bereits nach Rottenbach gekommen waren.


Einfahrt von EB 650 410 als EB 80990 von Saalfeld (Saale) nach Erfurt in Rottenbach.

Erfurt Hbf erreichten wir 54 km später pünktlich 14:16 Uhr. Ab Erfurt galt es dann noch einmal, das 9-Euro-Ticket in vollen Zügen zu genießen. Auf Grund von Bauarbeiten gab es ein paar Änderungen. Die RB 20 nach Leipzig fuhr erst ab Weimar. Daher nutzen wir vorher den RE 16 in Richtung Halle (Saale), welcher Erfurt dadurch bereits 14:24 Uhr verließ und die Unterwegshalte bis Weimar mit bediente. Auf Grund unserer geringen Umstiegszeit in Erfurt reichte es nur zu einem Stehplatz. Dies war aber zu verschmerzen, denn 21 Minuten später hatten wir Weimar erreicht und stiegen wieder aus.

Kurz nach unserer Ankunft kam auch die RB 20 aus Leipzig eingefahren, um sich 15:12 Uhr auf den Rückweg zu machen. Mit knapp 30 Minuten hatten wir genug Aufenthalt und noch freie Platzwahl im Zug. Wäre der Zug wie sonst üblich aus Eisenach gekommen, wäre es in Erfurt wohl schon sehr kuschelig gewesen.


ABRM 9442 311 stand als RB 74625 nach Leipzig Hbf in Weimar bereit.

Pünktlich 15:12 Uhr erfolgte die Abfahrt und auf seiner 96 Kilometer langen Fahrt füllte sich der Zug von Station zu Station, bis eigentlich niemand mehr hineinging. Einige Fahrradfahrer mussten zurückbleiben. Es gab noch einmal 9-Euro-Ticket-Felling pur. Wir erreichten trotz alledem Leipzig Hbf pünktlich 16:39 Uhr.

Die letzte Etappe unserer Rundfahrt war dann der RE 74184 nach Chemnitz Hbf, welcher 17:22 Uhr Leipzig Hbf verließ.
In Burgstädt beendeten wir dann 50 Minuten später unsere letzte große Rundfahrt mit dem 9-Euro-Ticket. Insgesamt waren wir 452 km unterwegs.



 

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