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  20.09.2025 - [DE] Der letzte Schwede nach Chemnitz  



Am dritten Septemberwochenende wurde im Rahmen der Kulturhauptstadt Chemnitz, zum Tag der Schiene und der Veranstaltung “200 Jahre Eisenbahn in Europa“ der Nachtzug Snälltåget aus Stockholm/Malmö zum dritten Mal in diesem Jahr über Dresden hinaus bis Chemnitz verlängert. Im Gegensatz zu den Ankünften im Mai und August an einem Freitag, sollte die Ankunft in Chemnitz diese Mal am Samstag und auch zeitlich später erfolgen. Die Rückfahrt fand wieder sonntags statt. Nachdem ich im Mai mit meinem Vater den Zug bis Berlin genutzt hatte und auch im August mit meinen Töchtern bis in die Bundeshauptstadt damit unterwegs war, wollte ich auch den dritten Anlauf in meine Heimstadt im Zug am Übersetzfenster erleben. Zur Abwechslung wollte ich statt wieder von Chemnitz nach Berlin, dieses Mal in der entgegengesetzten Richtung unterwegs sein. Durch die spätere Abfahrt in Berlin war dies mit einem Tagesausflug mit frühem Aufstehen möglich.

Die Anreise am Morgen von Sachsen nach Berlin sollte über Leipzig erfolgen. Eigentlich hatte ich vor, 05:43 Uhr mit dem RE 6 von Burgstädt nach Leipzig Hbf zu fahren. Weiter nach Berlin stand meine Flixtrain Premiere auf dem Programm. Der planmäßige Übergang in Leipzig sollte 9 Minuten betragen. Leider glänzte der
RE 6 zwischen Chemnitz und Leipzig regelmäßig mit Unzuverlässigkeit. Hätte der Anschluss in Leipzig nicht geklappt, hätte ich mit meinem Deutschlandticket den Snälltåget in Berlin nicht mehr rechtzeitig erreicht. Wahrscheinlich ließ mich dies im Unterbewusstsein schlecht schlafen, so dass ich bereits vor 4 Uhr wach wurde.

So beschloss ich, den Umstand zu nutzen und einen Zug früher nach Leipzig zu fahren. Mit dem Auto ging es schnell zum Bahnhof nach Burgstädt und pünktlich
04:33 Uhr erfolgte die Abfahrt des RE 74161 aus Chemnitz nach Leipzig. Der erste Zug des Tages war besser besetzt als erwartet. Es gab aber genügend freie Sitzplätze und ich entschied mich für den WFL DABpbzfa762.0 (D-WFL 50 80 80-35 362-8). Pünktlich 05:25 Uhr wurde der Leipziger Hauptbahnhof erreicht.


Leipzig Hbf halb 6 am Samstagmorgen. TDRO 233 055 hatte den RE 74161 aus Chemnitz geschoben.

Statt knappen 9 Minuten hatte ich nun mit 76 Minuten ausreichend Übergang. Ich schlenderte in Ruhe durch den leeren Hauptbahnhof. Zum Tag der Schiene
standen am Bahnsteig 16, 17 und 18 mehrere Fahrzeuge ausgestellt. Ich konnte mir diese in Ruhe und fast allein anschauen.


LEG 132 158 und weitere Fahrzeug waren am Bahnsteig 17 zum Tag der Schiene ausgestellt.


WFL 112 159 sollte an diesem Tag Rundfahrten um Leipzig durchführen.

Eine halbe Stunde vor der Abfahrt wurde mein nächster Zug am Bahnsteig 13 bereitgestellt. Mit dem FLX 1360 nach Hamburg Hbf wollte ich bis Berlin Hbf mitfahren. Es sollte meine erste Fahrt mit dem Flixtrain werden. Die Fahrkarte bis Berlin Hbf hatte mich 4,48 € gekostet. Da ich auf eine kostenpflichtige Sitzplatzreservierung verzichtet hatte, wurde mir im Wagen 1 an der Zugspitze, einem Bmmz264.6 (D-TAL 56 80 22-94 284-7), der Gangplatz 6C bei der Buchung zugeordnet.


ELL 7193 600 war mit dem FLX 1360 nach Hamburg Hbf abfahrbereit im Leipziger Hauptbahnhof.




Die Morgendämmerung setzte ein, langsam wurde es hell. Der Sonnenaufgang sollte 06:53 Uhr sein.

Pünktlich 06:41 Uhr erfolgte die Abfahrt des Zuges. Bis Berlin-Südkreuz fuhr er ohne Halt durch. Der Zug war gut besetzt, es gab in meinem Wagen aber noch
einige freie Sitzplätze. Da die beiden Plätze in meiner Reihe auf der anderen Gangseite frei waren, setzte ich mich dahin und hatte so einen Fensterplatz.


Die aufgehende Sonne sorgte für lange Schatten von Lok und Wagen.

Das Rollgeräusch des Wagens war im Inneren schon mächtig laut. So hatte ich dies von den ehemaligen Bundesbahn InterRegio Wagen nicht in Erinnerung. Wahrscheinlich wurde dies durch den jetzigen Großraum und eventuell fehlender Schalldämmung verstärkt. Mit Musik auf den Ohren war es aber auszuhalten.

Der Zug war flott unterwegs. Auf Grund belegter Gleise erreichte er Berlin Hbf nach 169 Kilometern 08:04 Uhr mit 3 Minuten Verspätung. Ich fand die Fahrt für den bezahlten Preis völlig in Ordnung. Ich muss aber jetzt nicht unbedingt noch einmal mit dem Flixtrain fahren. Dafür reise ich lieber, statt nur transportiert zu werden.


ELL 7193 600 mit dem FLX 1360 in Berlin Hbf. Lokführer und Zugbegleiterin hatten sich erst einmal lieb.

In Berlin hatte ich bis zur Rückfahrt mit dem Snälltåget nach Chemnitz etwas Aufenthalt. Ich kaufte mir etwas gegen das leere Gefühl im Magen und setzte mich anschließend bei herrlichen Spätsommerwetter an die Spree. Ich hatte bei meiner dritten Mitfahrt, wie beim ersten Mal, wieder Glück mit dem Wetter. Anders als im August, schien die Sonne wieder vom blauen Himmel bei angenehmen Temperaturen. Perfekt um die Nase aus dem Übersetzfenster in den Fahrtwind zu halten.


Blick über die Spree auf den Berliner Hauptbahnhof.

Zurück im Hauptbahnhof machte ich dann eine interessante Entdeckung. Der an Wochenenden von Mai bis Oktober auf Grund der Kulturhauptstadt zusätzlich am Vormittag nach Chemnitz verkehrende IC 2471 war auf Grund verspäteten Zugbegleitpersonal noch nicht abgefahren, als der Snälltåget an der Anzeigetafel auf- tauchte. So zeigte die Anzeigetafel gleichzeitig zwei Fernverkehrszüge nach Chemnitz an, welche auch noch auf komplett unterschiedlichen Strecken dahinfuhren.


Ein äußert seltener Anblick. Zwei direkte Fernverkehrszüge nach Chemnitz auf der Berliner Anzeigetafel.

Die Züge sollten mit Gleis 3 und 4 auch den gleichen Bahnsteig nebeneinander nutzen. Ich hoffte für ein Foto, dass sich die Züge in Berlin begegneten würden.
Leider klappte es nicht, da DB 146 569 mit dem IC 2471 keine zwei Minuten vor der Ankunft des um vier Minuten verspäteten D 301 mit ELL 6193 288 abfuhr.


DB 146 569 mit dem IC 2471 wartete weiterhin auf die verspäteten Zugbegleiter, während der D 301 bereits angeschrieben war.


Mit 4 Minuten Verspätung fuhr 09:21 Uhr ELL 6193 288 mit dem D 301 aus Malmö/Stockholm in Berlin Hbf ein.

In Berlin leerte sich der Zug spürbar und es waren nur noch wenige Abteile belegt. So richtig habe ich nicht darauf geachtet, ich war aber wohl der einzige Zusteiger in Berlin. Ich suchte mir ein freies Abteil mit Fenstern zum Öffnen auf beiden Seiten und wurde im Wagen 218, einem Bvcmz248.5 (S-SNALL 61 74 50-91 022-0), fündig. Das Abteil wurde fix aufgeräumt, in Tagesstellung umgebaut und dann machte ich es mir gemütlich. Die Fahrkarte bis Chemnitz kostete 149 SEK (13,73 €).


Perspektivwechsel. Fenster auf, Nischel (sächsisch für Kopf) raus.

Mit 4 Minuten Verspätung erfolgte 09:27 Uhr die Abfahrt in Berlin. Ich freute mich auf eine über 270 Kilometer lange Fahrt im eigenen Abteil bei schönstem Wetter
am Übersetzfenster. Auf seinem Weg nach Chemnitz Hbf gab es nur einen planmäßigen Zwischenhalt in Dresden-Neustadt.

Die erste spannende Frage nach der Abfahrt war, welche Strecke wird der Zug nach Dresden nehmen? Fährt er über Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda oder
über Jüterbog und Falkenberg (Elster)? Der IC 2471 vor uns nahm an diesem Tag ersteren Weg über Elsterwerda. Da wir vor dem Abzweig Genshagener Heide
nicht langsamer wurden, sondern uns der 200 km/h näherten war klar, dass der Weg wohl über Jüterbog und Falkenberg (Elster) führen sollte.


Abzweig in Jüterbog in Richtung Falkenberg (Elster).


Falkenberg (Elster) u.a. mit EVB 140 798 und WFL 143 055.


Bei Altenau entsteht ein neues Kieswerk inklusive 4 Kilometer langer elektrifizierter Anschlussbahn von Neuburxdorf.

Ab Jüterbog war der Zug in einer angenehmen Geschwindigkeit für die Fahrt am Übersetzfenster unterwegs. In Holzdorf wurde der EC 178 aus Praha und
in Herzberg der IC 2270 aus Chemnitz gekreuzt. Hinter Falkenberg (Elster) kam dann noch der Sonderzug der Press mit 01 509 nach Berlin entgegen.

In Röderau kam der Zug erneut am roten Signal zum Stehen. Am Abzweig Zeithain Bogendreieck kreuzte der IC 2471 nach Chemnitz den Weg und zwang zum Halt.


Nach kurzem Stopp ging es in Röderau weiter. Über den Abzweig Zeithain Bogendreieck fuhr der Zug auf die erste deutsche Ferneisenbahn.

Am Abzweig Leckwitz blieb der Zug auf der Leipzig-Dresdener-Schiene und somit war ich auch bei meiner dritten Mitfahrt zum Teil auf einem anderen Streckenabschnitt unterwegs. Bei der ersten Mitfahrt im Mai nahm der Zug von Dresden nach Berlin die Strecke über Elsterwerda. Im August fuhr er
über die Strecke Böhla - Weißig und weiter über Falkenberg (Elster) an die Spree. Zum Abschluss ging es nun also durch Niederau und Coswig.


Abzweig Leckwitz. Links geht es zur Berliner Strecke, rechts in Richtung Coswig.

Bis Dresden-Neustadt ging es jetzt etwas schleppend voran und es gab immer wieder kurze Halte an roten Signalen. Nichtsdestotrotz erreichte der Zug 14 Minuten
vor Plan 11:32 Uhr Dresden-Neustadt. Hier wurde der Zug nun endgültig leer und nur sehr wenige Reisende wollten weiterfahren. Es gab aber ein paar Zustiege.


Einfahrt in Dresden-Neustadt.

Eigentlich sollte es 11:54 Uhr weiter nach Chemnitz gehen. Das Ausfahrtsignal war auch dementsprechend bereit, aber der Zug fuhr nicht ab. Kurz darauf kam die Durchsage, dass der Zug keinen Fahrplan von Dresden nach Chemnitz von DB InfraGo erhalten hatte. Weiterfahrt ungewiss, im schlimmsten Fall Ende der Fahrt.

Es gab an diesem Wochenende auf Grund der Brückenbaustelle eine Sperrung der Einfahrt in den Dresdner Hauptbahnhof aus Richtung Chemnitz. Die Züge der
RE 3 und RB 30 endeten in Dresden-Plauen. Da der Zug durch die Verbindungskurve von Mitte nach Altstadt fuhr, war er eigentlich nicht davon betroffen. Wahrscheinlich standen aber die Triebzüge der MRB in Dresden-Plauen im Weg. Nach wohl sehr vielen Telefonaten kam dann die Info, dass endlich ein Fahrplan vorliegt und es in Kürze weiter geht. Dann war es soweit und 12:42 Uhr, 70 Minuten nach der Ankunft, verließ der Zug Dresden-Neustadt für seine letzte Etappe.


Der Zug rollte wieder und überquerte die Elbe in Dresden.


Vorbei ging es an der ehemaligen Zigarettenfabrik Yenidze.

Nach der recht eintönigen Brandenburger Landschaft folgte nun die abwechslungsreiche Fahrt aus dem Elbtal heraus durch das Erzgebirgsvorland.

Im Zug kam ich mit einem jungen Mann ins Gespräch. Er war noch nie Nachtzug gefahren und hatte von dem Zug nach Chemnitz aus den Medien erfahren.
Er war dadurch neugierig auf eine Nachtzugfahrt geworden, nach Stockholm geflogen und hatte die letzte Nacht im gemischten Liegeabteil verbracht.


Blick auf das Flöhatal mit der Bahnstrecke von Flöha nach Pockau-Lengefeld. Diese feierte dieses Jahr ihr 150-jähriges Bestehen.


Tim Uhlmann lichtete den Zug kurz vor dem Ziel in Chemnitz-Hilbersdorf ab. Vielen Dank für das Bild.

Auch wenn ich länger als geplant mit dem Zug unterwegs war, ist irgendwann jede Fahrt einmal zu Ende und der Zug erreichte 13:45 Uhr, mit 50 Minuten
Verspätung, seinen Zielbahnhof. Von seinem über 1.700 Kilometer langen Laufweg von Stockholm hatte ich ihn 272 Kilometer begleitet.


Der Chemnitzer Hauptbahnhof war erreicht. Irgendwie besonders mit einem internationalen Schnellzug zu Hause anzukommen.


ELL 6193 288 nach der Ankunft in Chemnitz Hbf. Am darauffolgenden Tag fuhr der Zug zurück nach Schweden.

Durch die Veranstaltung “200 Jahre Eisenbahn in Europa“ waren einige Schaulustige im Chemnitzer Hauptbahnhof und bereiteten dem Zug einen Empfang.
Ich hatte eigentlich geplant, nach meiner Ankunft in Richtung Erzgebirge aufzubrechen, um der Strecke Annaberg-Buchholz - Schwarzenberg in diesem Zusammenhang einen Besuch abzustatten. Durch die Verspätung war aber mein Plan obsolet geworden. Da ich durch das frühe Aufstehen und der vielen frischen
Luft zudem müde war beschloss ich, die nächste City-Bahn nach Burgstädt zum Auto zu nehmen und den Besuch im Erzgebirge am nächsten Tag in Ruhe zu unternehmen. So fuhr ich 14:07 Uhr mit der C13 aus Aue (Sachs) nach Burgstädt, wo ich 14:24 nach insgesamt 522 Kilometern ankam und mein Ausflug endete.

Ich hatte es nicht bereut, die Chance genutzt zu haben und auch ein drittes Mal mitgefahren zu sein. Erinnerten die Fahrten mich doch auch an meine Kindheit und die Fahrten mit D-Zug, Städteexpress und später InterRegio zur Verwandtschaft nach Berlin. Ich glaube nicht, dass nach dem Ende der Kulturhauptstadt der Zug zukünftig noch einmal nach Chemnitz verlängert werden wird. Dafür besteht einfach kein Reisendenpotential. So bleibt mir die Erinnerung an drei schöne Mitfahrten.



 

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© 2026, Stefan Fritzsch