21.12.2025 - [DE][CZ] Der letzte Komet mit frischer Luft?
Seit sehr vielen Jahren (seit wann genau kann ich nicht genau sagen, aber er ist bereits im Fahrplan von 2010 enthalten) verkehrt an den Adventswochenenden das Zugpaar Os 5276/5277 mit dem Namen „Vánoční kometa“ (dt. Weihnachtskomet) zwischen Ústí nad Labem hl.n. und Dresden Hbf. Der Zug startet am Morgen in Ústí nad Labem in Richtung Dresden und fährt am Nachmittag wieder nach Tschechien zurück. Er bietet sich somit u.a. für einen Ausflug zum Dresdener Striezelmarkt an. Im Jahr 2018 kam mit dem Os 5274/5275 „Letní kometa“ (dt. Sommerkomet) an Wochenenden und Feiertagen zwischen März und Oktober ein Ausflugszug hinzu, welcher am Morgen in der gleichen Fahrplanlage verkehrt, am Nachmittag aber 1 ½ Stunden später zurückfährt. Nach dem Ende der Einsätze der ČD Baureihe 371 vor den EuroCity nach Deutschland zum Fahrplanwechsel 2017 sind diese Züge die letzten planmäßigen Leistungen der Loks nach Deutschland. Bis auf ČD 371 003 und ČD 371 015, welche für dieses Zugpaar noch vorgehalten werden, sind alle anderen Loks der Baureihe mittlerweile aus dem Betriebsdienst ausgeschieden.
Gebildet wurden die Züge aus alten Bautzener UIC-Y-Wagen der ČD mit Übersetzfenstern. Im Sommer meist aus 5 Wagen bestehend, waren die Züge im Advent oft mehr als doppelt so lang. Mit der Veröffentlichung des Zugbildungsplan für das Fahrplanjahr 2026 wurde ersichtlich, dass ab der neuen Saison der „Letní kometa“ aus Wagen der Gattung Bee238, Bpee237 und Aee140 gebildet werden soll. Damit ziehen sich die Bautzener Schnellzugwagen auch aus dem Elbtal zurück und die Fahrt am Übersetzfenster in einem planmäßigen Zug von Tschechien nach Deutschland ist vorbei. Es ist davon auszugehen, dass nächsten Advent dem „Vánoční kometa“ das gleiche Schicksal ereilen wird. Für den klassischen Schnellzugwagen der Gattung B249 gibt es im aktuellen Fahrplanjahr der ČD keine planmäßigen Einsätze mehr. Grund genug, die Chance noch einmal zu nutzen und wahrscheinlich bei der letzten planmäßigen Fahrt der Bautzener UIC-Y-Wagen nach Deutschland dabei zu sein.
Ich wollte den Zug ab Děčín nach Dresden nutzen. Um rechtzeitig dahin zu kommen, hieß es zum Sonntag trotzdem früh aufstehen. Mit dem Auto fuhr ich 6 Uhr zum Chemnitzer Hauptbahnhof. Am Bahnsteig 13 stand DB 147 553 mit dem IC 2272 nach Rostock bereit, welchen ich bis Dresden Hbf mit Deutschlandticket nutzte.
DB 146 553 mit dem IC 2272 in Chemnitz Hbf. Nach dem Einsatzende der Kiss 2-Triebwagen werden die Leistungen jetzt von Twindexx Vario IC 2 erbracht.
Über eine Auslastung des Zuges braucht man nichts zu schreiben. Es lohnte sich nicht, die wenigen Reisenden zu zählen. Der Zug war einfach leer. Ich suchte mir
einen Platz im DBpza682.4 (D-DB 50 80 26-81 595-3) und teilte mir den kompletten Wagen mit zwei weiteren Reisenden. Pünktlich 06:26 Uhr erfolgte die Abfahrt.
Obwohl die IC 2 seit Fahrplanwechsel täglich nach Chemnitz kommen, fährt der Zug laut Anzeige weiterhin durch Niemandsland.
Der Zug schien über Riesa zugeführt wurden zu sein. Immerhin zeigte der Pfeil in die Richtung, wohin es heute gehen sollte.
In Freiberg (Sachs) stiegen noch einige Reisende zu und mit einer Minute Verspätung war 07:26 Uhr nach 79 Kilometern Dresden Hbf erreicht. Ich beeilte mich und schaffte 07:29 Uhr die S1 nach Schöna. Langsam wurde es auch hell vor dem Zugfenster. Zum Adventssonntag wollten nicht so viele in die sächsische Schweiz und ab Pirna hatte ich den DBpza780.4 (D-DB 50 80 26-81 202-6) für mich allein. Pünktlich 08:24 Uhr war Schöna erreicht. Bis zur Weiterfahrt war durch die frühere S1 über eine halbe Stunde Zeit. Da ich nicht in der Kälte warten wollte, fuhr ich 08:33 Uhr mit der S1 wieder zurück bis Krippen, wo ich 7 Minuten später ankam und ausstieg.
DB 146 016 hatte die S1 (31713) nach Schöna gebracht und fuhr kurz darauf als S1 (31720) zurück nach Meißen-Triebischtal.
Angekommen in Krippen. Die S1 entschwand nach Bad Schandau.
War von Chemnitz bis Dresden der Himmel noch klar gewesen, hingen die Wolken immer tiefer, je weiter man von Pirna ins Elbtal vordrang. Ein Stück wollte ich
noch elbaufwärts fahren. Mit der U28 aus Rumburk nach Děčín fuhr ich über die Grenze. Pünktlich 08:50 Uhr kam DB 642 156 als Os 5442 in Krippen eingefahren.
Einfahrt von DB 642 156 als Os 5442 nach Děčín hl.n..
Der Triebwagen war nur spärlich besetzt. Ab Schöna bis Děčín kaufte ich ein MBS/U 28-Ticket für 1,60 € beim Zugbegleiter. Pünktlich 09:17 Uhr war Děčín hl.n. erreicht. Hier war ich auch endgültig in der Waschküche angekommen, es herrschte zum Teil dichter Nebel. Mein Aufenthalt in Děčín war aber nicht lang.
Überpünktlich 09:33 Uhr kam ČD 371 003 „Jana“ mit dem Os 5276 „Vánoční kometa“ aus Ústí nad Labem eingefahren. Am Haken hatte sie einen 9-Wagen Zug, bestehend aus vier ČD B209 und fünf ČD B249. Der Zug war wie der InterCity am Morgen fast komplett leer. Das dies auch anders sein kann, konnte ich bei einigen Videos des Zuges im Internet bei der Ankunft in Dresden in den letzten Jahren sehen. Da quollen Menschenmassen heraus. Mir sollte es so heute recht sein.
Einfahrt von ČD 371 003 „Jana“ mit dem Os 5276 „Vánoční kometa“ am Bahnsteig 1 in Děčín hl.n..
Ich wollte im letzten Wagen reisen, um die komplette Altbaugarnitur aufs Bild zu bekommen. So suchte ich mir ein schönes Abteil im ČD B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 828-4, Bautzen 1983). Ich teilte mir den Wagen mit einem weiteren jungen Eisenbahnfreund, der wie ich die Fahrt mehr stehend am Fenster als sitzend verbrachte.
Gepflegte Reisekultur im 42 Jahre alten ČD B249 (CZ-ČD 51 54 20-41 828-4, Bautzen 1983).
Pünktlich 09:36 Uhr erfolgte die Abfahrt in Děčín hl.n. für die 63 Kilometer lange Etappe bis Dresden Hbf. Im Můj Vlak hatte ich mir ein MPS/U 28-Ticket für 74 Kč
(3,07 €) bis Bad Schandau gekauft. Dies hätte ich mir aber theoretisch sparen können da im Zug, wie bei jeder meiner Mitfahrten damit, keine Kontrolle statt fand.
Ausfahrt in Děčín hl.n.. Die Sicht bis zur Zugspitze wurde noch vom Nebel beeinträchtigt.
Blick über die Elbe auf Hřensko, der am tiefsten gelegene Ort in ganz Tschechien (112,5 m n.m).
Bad Schandau mit dem historischen Personenaufzug rechts im Bild.
Je weiter der Zug elbabwärts fuhr, je mehr verschwanden die Wolken wieder aus dem Tal. Vier Minuten vor Plan war 09:50 Uhr Bad Schandau erreicht. Hier stieg
der Triebfahrzeugführer der ČD ab und der Kollege von DB Regio übernahm den Zug. Das Zugbegleitpersonal der ČD fuhr bis Dresden. Nach 6 Minuten Aufenthalt
ging es 09:56 Uhr pünktlich weiter. In Königstein schaffte es dann auch die Sonne durch die Wolken und tauchte das Elbtal in ein wunderbares Licht.
Der Lilienstein war noch von Wolken verhüllt.
Blick auf die lange (leere) Leine. Es waren neben mir auch ein paar andere Eisenbahnfreunde an Bord.
Die Bastei oberhalb des Kurort Rathen.
Anders als die Nahverkehrszüge auf der Strecke fährt der Zug, in Deutschland als RE 20 verkehrend, zwischen Bad Schandau und Dresden Hbf, wie die Fernverkehrszüge, ohne Halt durch. So verging die Zeit bis zum Ziel viel zu schnell und schon waren die ersten Dresdener Vororte erreicht.
Ankunft in Dresden Hbf am Bahnsteig 3.
Die Wagenleine passte genau in die Bahnhofshalle.
Überpünktlich, 3 Minuten vor Plan, war 10:21 Uhr Dresden Hbf erreicht. Die Rückfahrt des Zuges erfolgte 15:57 Uhr am Nachmittag. Bis dahin wurde er in Dresden-Altstadt abgestellt. Der Zug wurde nicht sofort in die Abstellung gefahren, sondern stand noch einige Minuten am Bahnsteig. So konnten die anwesenden Fotografen noch genügend Fotos machen. Freundlicher Weise wurde der Zug kurz darauf noch ein Stück nach vorn gezogen, bevor er 10:40 Uhr in die Abstellung verschwand.
ČD 371 003 „Jana“ mit dem Os 5276 „Vánoční kometa“ nach der Ankunft in Dresden Hbf.
Nach ein paar Minuten wurde er für die Fotografen noch ein Stück nach vorn gezogen. Immer wieder schön eine ČD 371 in Dresden.
Kurz darauf verschwand er in die Abstellung nach Dresden-Altstadt. Ist dies mein letztes Bild der Bautzener UIC-Y-Wagen in Dresden?
Für mich stellte sich die Frage, was fange ich mit dem angebrochenen Tag noch an. Direkt nach Hause wollte ich nicht fahren. Über dem Dreieck Dresden - Leipzig - Zwickau gab es ein großes Wolkenloch und die Sonne strahlte vom blauen Himmel. Warum dies also nicht nutzen und im großen Bogen wieder nach Hause fahren?
So lief ich zum Bahnsteig 9. Hier stand der RE 16514 nach Leipzig Hbf bereit. Der Zug bestand aus einem fünf- und einem dreiteiligen Talent 2. Ganz vorn suchte ich mir im DB 442 311 einen Sitzplatz und auch der Nebenplatz blieb während der gesamten Fahrt frei. Der Zug war voll, aber nicht so überfüllt wie sonst häufig.
Pünktlich 11:12 Uhr erfolgte die Abfahrt für die 120 Kilometer lange Etappe von der Landeshauptstadt in die Messestadt, wo ich pünktlich 12:50 Uhr ankam.
DB 442 311 und 442 118 als RE 16514 nach Leipzig Hbf in Dresden Hbf.
Der RE 16514 nach der Ankunft in Leipzig Hbf. Er fuhr als RE 16519 zurück nach Dresden Hbf.
Ich wechselte zum Tiefbahnsteig im Citytunnel und hatte direkten Anschluss an die S 5X (37519) aus Halle-Trotha nach Zwickau (Sachs) Hbf. Der Zug kam sehr voll eingefahren, aber leerte sich spürbar an den Citytunnel-Halten, so dass es anschließend genügend Platz gab. Pünktlich 12:58 Uhr verließ ich Leipzig Hbf schon wieder.
Einfahrt von DB 1442 125 als S 5X (37519) aus Halle-Trotha nach Zwickau (Sachs) Hbf in Leipzig Hbf (tief).
Vor Altenburg tauchte der Zug wieder in eine teils dicke Nebelwand ein. Der Zug kam auf Grund der Eingleisigkeit an der Baustelle vor Altenburg und eines
verspäteten Gegenzuges für einige Minuten zum Stehen und erreichte nach 85 Kilometern mit 4 Minuten Verspätung 14:13 Uhr Zwickau (Sachs) Hbf.
Ankunft in Zwickau (Sachs) Hbf neben MTEG 204 347.
Zwickau (Sachs) Hbf im dichten Nebel.
In Zwickau war es wieder ungemütlich, nebelig und kalt. Gut, dass mein Aufenthalt hier nicht so lang dauerte. Leicht verspätet 14:36 Uhr fuhr ich mit dem RE 74021
der Mitteldeutschen Regiobahn aus Hof Hbf nach Dresden Hbf bis Chemnitz Hbf. Hinter Glauchau wurde der Nebel verlassen und die Sonne strahlte wieder.
Da ein drei- und ein fünfteiliger Coradia Continental unterwegs waren, hatte ich kein Problem einen Sitzplatz zu finden. Leider ist aber oft nur ein Fünfteiler unterwegs.
Einfahrt von MRB 1440 216 als RE 74021 von Hof nach Dresden Hbf in Zwickau (Sachs) Hbf.
Nach 30 Minuten Fahrt erreichte ich 15:06 Uhr, mit 3 Minuten Verspätung, nach den letzten 49 Kilometern wieder Chemnitz Hbf. Damit war mein kleiner Ausflug
zum Weihnachtskometen nach insgesamt 473 Kilometern am kürzesten Tag des Jahres bei größtenteils schönem Wetter erfolgreich beendet.
Es war auch der Abschluss eines eisenbahntechnisch erlebnisreichen Jahres, in dem ich knapp 12.000 Kilometer hauptsächlich zum Vergnügen auf Schienen zurückgelegt hatte. Die Fahrt noch einmal am Übersetzfenster mit einem Turbobastard durch das Elbtal war dabei ein schöner Jahresabschluss.